Archiv für den Autor: Rose & Dmowska

Überetzer-Preis in Strealen vergeben

Die deutsche Literaturübersetzerin Helga van Beuningen erhält in diesem Jahr den renommierten Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW. Die 75-Jährige übersetzt seit vielen Jahren Autoren aus dem Niederländischen. Den mit 25 000 Euro dotierten Preis bekommt sie für die Übersetzung von Marieke Lucas Rijnevelds Romas „Was man sät“. Zugleich werde das Lebenswerk der Übersetzerin gewürdigt. Den mit 5000 Euro verbundenen Förderpreis erhalte die Essenerin Anna-Nina Kroll, so die Stiftung. Die Preise sollen, wenn die Corona-Situation es zulässt, im September in Straelen vergeben werden.
Das Europäische Übersetzer-Kollegium in der Kleinstadt Straelen am Niederrhein gilt als weltweiter Treffpunkt für professionelle Literatur- und Sachbuch-Übersetzer. Bei der Gründung 1978 zählten Schriftsteller wie Heinrich Böll, Samuel Beckett und Max Frisch zu den Unterstützern. Zum Kollegium gehören sechs Häuser mit 30 Appartements. In der Bibliothek stehen unter anderem 35 000 Lexika in über 275 Sprachen und Dialekten.

Eigener Machine-Learning-Übersetzer für Sorbisch

Großen IT-Unternehmen fehlt oft das Interesse zur Unterstützung kleiner Sprachen, aber dank Deep Learning helfen sich die Sorben nun selbst. Nach zwei Jahren Projektarbeit ist Sotra nun online gegangen. Sotra ist die Abkürzung für Sorbian Translator. Dahinter stehen 200.000 obersorbisch-deutsche Satzpaare aus unterschiedlichen Lebensbereichen mit reichhaltigem Vokabular und vielfältigen grammatischen Formen. Doch das ist erst der Anfang. Vor allem muss die Sammlung brauchbarer Sätze beschleunigt werden. Technisch basiert Sotra auf der Open-Source-Übersetzungssoftware Moses sowie OpenNMT, einem System zur maschinellen Übersetzung auf Grundlage neuronaler Netze. Entscheidend sei eine ausreichend große Menge an Daten, um die Systeme in der Sprache zu trainieren. Sotra löst etwa das Problem, weches man mit Facebook bei Übersetzungen aus dem Sorbischen hat: Facebook bietet bisher bei sorbischen Texten eine Übersetzung aus dem nahe verwandten Tschechischen oder auch Polnischen an, was das Ergebnis aber entsprechend verfälscht. Ganz aktuell hat das Projektteam zur Eigenentwicklung des Übersetzungsprogramms die Datenbank mit neuem Vokabular zu den Themen Impfen, Impfzentrum und Corona gespeist. Gefördert wird Sotra durch das sächsische Wissenschaftsministerium mit rund 140.000 Euro und dem Bund mit 72.000 Euro. Nach offiziellen Angaben gibt es etwa 60.000 Sorben und Wenden, von denen zwei Drittel in Sachsen leben.

Sprachbarrieren im Krankenhaus

Sprachbarrieren mit einem automatischen Übersetzer überwinden, den man bequem in der Tasche mitführen kann? Diese Technologie wird aktuell im Bundeswehrkrankenhaus Berlin eingeführt: Es sollen tragbare Übersetzungsgeräte eingef+hrt werden, mit denen die Sprachbarrieren überwunden und eine spürbare Vereinfachung der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten erreicht werden soll. Das will der Sanitätsdienst der Bundeswehr. Nach internen Untersuchungen war das ursprüngliche Vorhaben einer Google-App zu Gunsten eines fertigen Gerätes von Vasco Electronics, den Vasco Translator, aufgegeben worden. Nachdem ein Arzt das Gerät privat besorgt hatte, begeisterte sich auch der Innovationsbeauftragte des Krankenhauses dafür. Zunächst wurde das Gerät privat bei der freiwilligen Flüchtlingshilfe auf einer griechischen Insel im Einsatz getestet. Der testende Arzt war danach begeistert von dem Gerät. Der Grund unter anderem defür: Wenn man beispielsweise Patienten mit Arztberichten aus Afghanistan, mit OP-Berichten aus dem Iran, oder einen Arztbefund aus der Türkei hat, muss man bloß diesen Befund fotografieren und das Gerät übersetzt ihn eins zu eins. Die sprachliche Kommunikation bzw. die sprachlichen Hürden wurden durch dieses Gerät so deutlich minimiert. Aktuell hat das Bundeswehrkrankenhaus Berlin 22 Geräte im Einsatz und auch das Personal vor Ort sei begeistert. Im Klinikalltag, in der Notaufnahme, kam dieses Gerät sehr gut an.

You? Oder doch lieber you?

Wie erkennt man beim Übersetzen, ob sich zwei PErsonen im Englischen siezen oder duzen? Ob man aus einem „you“ ein „du“ oder ein „Sie“ macht, kommt immer auf die Beziehungen der beiden Figuren an. Kriterien sind dabei, wie die Personen zueinander stehen, ob sie sich kennen und wie gut, Haben die den selben Stand und Status oder sind die unterschiedlich? Sind das Mutter und Kind, sind das Lehrerin und Schüler, sind es Chef und Angestellte? Aus welchem Milieu kommen sie? Woher kommen sie? Und in welcher Zeit spielt das Ganze? Denn manchmal wird aus einem „you“ vielleicht sogar ein „Ihr“, wenn das 400 Jahre alt ist.