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Sprachengewirr in Europa

Europa ist besonders. Wer quer durch den amerikanischen Kontinent reist, benötigt unterwegs nur Spanisch und Englisch. Wer von Brüssel nach Bukarest fährt, kann dabei Französisch, Niederländisch, Deutsch, Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch und Rumänisch zurückgreifen müssen. Denn in der EU gibt es unter den 28 Staaten 24 verschiedene Sprachen. Dabei muss jedes Gesetz, das die Politiker entwerfen, präzise in alle Sprachen übertragen werden. Ebenso ist es mit der täglichen Korrespondenz, denn sollte ein Schreiben auf Schwedisch eintreffen, muss ein deutscher Politiker es bearbeiten können. Und damit die EU-Integration gelingt und die Funktionalität aufrecht erhalten bleibt, arbeiten täglich mehrere Übersetzer und Dolmetscher daran, die die Kommunikation zwischen dem Rat, dem Parlament und der Kommission der EU sicherstellen. Allein die Übersetzer haben im letzten Jahr mehr als zwei Millionen Seiten übersetzt. Viele der in Brüssel lebenden und arbeitenden Übersetzer haben den Anspruch, der beste Übersetzerdienst der Welt zu sein. Dann steht man hinter der Idee Europa. Die Organisation unter den Übersetzern ist hervorragend ausgearbeitet und ermöglicht ein reibungsloses und, ganz wichtig, pünktliches Arbeiten. Das bedeutet manchmal eben, Nächte durchzuarbeiten und selbst die kleinsten Fehler aufmerksam zu entdecken. Leider ist Sprache auch politisch, denn oft wird über die Übersetzerkosten gestritten, insgesamt 1,1 Milliarden Euro im Jahr, umgerechnet zwei Euro pro Bürger. Aber wer sonst sollte die Kommunikation am Laufen halten? Selbst an Freelancer müssen die angestellten Übersetzer schon auslagern, bei der ganzen Flut an Dokumenten. Aber immer sind sie da und bringen Politiker, Menschen, über Sprachgrenzen hinweg zusammen.

Aus Sicht des Übersetzten

Mal eine ungewöhnliche Frage: Wie fühlt sich der eigene Text an in einer fremden Sprache, die man als Verfasser selbst nicht spricht? Findet man ihn, im Falle, dass er vorgelesen wird, noch schön? Erkennt man seine Handschrift, Textmelodie, den Satzbau? Vermutlich eher nicht. Denn die Melodien und der Satzbau von Sprachen sind genauso vielfältig wie der Schreibstil des Verfassers selbst. Zwar sind Literaturübersetzer oder die, die es mit Prosa zu tun haben, stets darauf bedacht, das Werk und die Mundart des Autors auch in der Übersetzung möglichst originalgetreu wiederzugeben. Allerdings fügen sie natürlich auch etwas von ihrem eigenen Stil hinzu, etwas aus der Zielsprache, aus diesem Slang. Manchmal müssen sie sogar neue Worte erschaffen für die Kreationen des ursprünglichen Autors. Der muss die Sprache nicht schön finden, in die sein Buch übersetzt wurde oder gar sein Werk ganzheitlich nach Sprachmelodie und Satzbau wiedererkennen. Aber der Verfassende sollte stolz und froh darüber sein, dass so viele Menschen Zugang zu einem Herzensprojekt bekommen.

Stadt Schramberg sucht ehrenamtliche Übersetzer

Mit der stetig steigenden Anzahl an Einwohnern, die Deutsch nur als Zweitsprache oder noch gar nicht sprechen, steigt auch der Bedarf nach Dolmetschern. Zum Beispiel werden Elterngespräche in der Schule, Behördengänge und  Arztbesuche  oft durch unzureichende oder fehlerhafte erschwert und  somit gemieden. Nicht immer hilft es dann, wenn Freunde oder Verwandte übersetzen. Die Stadt Schramberg möchte daher einen gemeinsamen Pool von ehrenamtlichen Übersetzern bilden. Die „ehrenamtlichen Sprachmittler“ können in Zukunft von allen Kindergärten, Schulen, Behörden oder anderen Einrichtungen kostenfrei in Anspruch genommen werden. Eine Förderung des Ministeriums für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg ermöglicht dies. Wichtig dabei ist, dass jeder Übersetzer auch selbst entscheiden kann, in welcher Häufigkeit und bei welchen Themen er oder sie übersetzen möchte.

Neben einer umfassenden Schulung erhält jeder Sprachmittler für die geleisteten Einsätze eine Aufwandsentschädigung. Hinzu kommen Begleitungsangebote wie Beratungen und bei Bedarf Supervision. Eine vorbereitende Schulung für die Sprachmittlertätigkeit findet am Freitag,  30. November und Samstag,  1. Dezember statt. Wer sich in Baden-Württemberg sozial engagieren möchte, kann sich bei Charlotte Distler unter 07422 29584 oder charlotte.distler@schramberg.de anmelden. Es kann dabei auch nur ein Beratungsgespräch in Anspruch genommen werden. Auch Ärzte oder andere Einrichtungen, die Bedarf an Dolmetscherleistungen haben, dürfen sich gerne melden.

Autoren und Übersetzer ausgezeichnet

Am 31.10.2018 sind in Frankfurt die diesjährigen Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreise vergeben worden.

Erstmals wurden ausdrücklich auch die Leistungen der Übersetzer gewürdigt. Ausgezeichnet wurden die Stücke „Die Zertrennlichen“ des Franzosen Fabrice Melquiot in der Übersetzung von Leyla-Claire Rabih und Frank Weigand sowie „Der (vorletzte) Panda oder Die Statik“ des Kroaten Dino Pesut in der Übersetzung von Alida Bremer unter Mitarbeit von Sonja Anders und Friederike Heller. Der alle zwei Jahre vom Bundesfamilienministerium vergebene Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert.