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Zu den Kosten einer Übersetzung

Die Preisgestaltung ist eine der ersten Phasen eines Übersetzungsprojekts, nach der oftmals ein Übersetzer ausgesucht wird. Günstig heißt aber nicht gleichzeitig gut. Wenn sich eine neue Gelegenheit eröffnet und eine zufriedenstellende Leistung erfolgt, kann dies den Beginn einer langfristigen Partnerschaft bedeuten.Wie aber setzt sich der veranschlagte Preis nun zusammen?

Bei der Übersetzung eines Dokuments berücksichtigt ein Spezialist die Anzahl der Zeichen mit und ohne Leerzeichen oder zählt die Anzahl der Wörter, die übersetzt werden müssen. Dies sind die Kriterien, die die Kosten eines Übersetzungsbüros bestimmen.

Folgende Faktoren beeinflussen dabei die Bildung des Umrechnungspreises: Es sind zum einen große Textmengen und enge Fristen. Manchmal erfordern dringende Übersetzungen eine hohe Leistungsbereitschaft von Übersetzern und sie müssen ein kurzer Zeit extrem viel arbeiten. Dann gibt es Kosten, wenn durch einen Muttersprachler Korrektur gelesen wird. Dann: Das Original wird in handschriftlicher und / oder schwer lesbarer Form zur Verfügung gestellt. Auch dasThema der Übersetzung spielt eine Rolle: Spezialisierte Texte erfordern die Einbeziehung eines Übersetzers mit Erfahrung in Übersetzungen auf dem erforderlichen Gebiet sowie eines Fachredakteurs auf einem bestimmten Gebiet der Übersetzung. Schließlich gibt es den in der Übersetzungsbranche akzeptierte Zuschlag für die Komplexität der Übersetzung. Das beruht auf der Tatsache, dass die Durchschnittspreise für Übersetzer ohne Spezialisierung niedriger sind als die Durchschnittspreise für Fachspezialisten. Und je enger das Thema und je mehr Anforderungen der Kunde an den Übersetzer hat, desto weniger geeignete Spezialisten gibt es. Ihre Tarife sind für eine hohe Nachfrage angemessen.

Natürlich spielt auch die Bekanntheit eines Übersetzerunternhemens eine Rolle.  Es ist allgemein anerkannt, dass Dumpingpreise zu keiner hochwertigen Übersetzung führen, da sich in der Branche Qualität nicht unter Wert verkaufen muss.

Eine kurze Geschichte der Translation

Kommunikation, Wissenstransfer und Kulturtransfer: Diese drei Begriffe können die Bedeutung der Übersetzungswissenschaft und deren Geschichte zusammenfassen. Übersetzungen sind erst seit der Existenz von Schrift denkbar und somit beginnt die Geschichte der Translatologie nach heutigem Wissenstand um 5300 v. Chr. Dort sind auf den die ältesten Schriftexemplare datiert. Wie anhand des berühmten Steins von Rosette von 196 v. Chr. zu ersehen ist, bezogen sich Übersetzungen bis in die Neuzeit hinein oft auf religiöse Schriften. Diesen Sachverhalt untermauert auch die Bedeutung der Septuaginta als ältester durchgehender Bibelübersetzung, die auf 247 v. Chr. datiert wird, und die epochale Tragweite der lateinischen Übersetzung der Bibel durch Sophronius Eusebius Hieronymus (347 bis 420 n. Chr.). Diese war unter der Bezeichnung „Vulgata“ wegweisend für die römisch-katholische Kirche. Hieronymus zählt heute zu den vier Kirchenvätern und ist  der Schutzheilige der Übersetzer.
Im Rahmen des 830 n. Chr. in Bagdad begründeten „Hauses der Weisheit“ befasste sich der christlich-arabische Gelehrte Abū Zayd Hunain ibn Ishāq al-ʿIbādī, der auch unter dem lateinischen Namen Johannitius bekannt war, mit der Übertragung antiker Manuskripte der griechischen Wissenschaften. Er prägte dabei eine Übersetzungsmethode, die über das wörtliche Übersetzen hinausging und als konzeptionelles Übersetzen bekannt ist. Dank ihm und seinem Umfeld sind diese antiken Texte erhalten geblieben. Auch Martin Luther mit seiner bahnbrechenden Translation der Bibel ins Volksdeutsche verließ im 16. Jahrhundert das sture wörtliche Übersetzen und betonte in seinen Thesen, dass es beim Übersetzen darum geht, den Sinn eines Textes zu begreifen und ihn so zu übertragen, dass der Empfänger ihn vor dem eigenen kulturellen Hintergrund versteht. Er hatte somit die Methode des interpretierenden Übersetzens geschaffen. Kommunikation, Wissens- und Kulturtransfer waren auch große Themen vieler Romantiker, die sich darum bemühten, den Wechselbeziehungen nationaler Sprachen auf die Spur zu kommen und diese anderen zugänglich zu machen. Exemplarisch sind hierfür das „Wörterbuch der serbischen Sprache“ der Gebrüder Grimm oder die begonnene Shakespeare-Übersetzung von Friedrich Schlegel. Sie schufen das literarische Übersetzen.

Die Anwendung der Übersetzungskunst auch auf nicht-religiöse Themen brach sich im 20. Jahrhundert endgültig Bahn. Mit den immer enger werdenden internationalen Beziehungen und dem steigenden Bedarf an weltweitem Wissenstransfer umfassten Translationen schließlich alle Lebensbereiche. Somit entstand die selbständige Disziplin Übersetzungswissenschaft, die Translationen als professionelle Dienstleistungen begreift.

Erfolgsgeschichte Übersetzerapp

Dass die richtige Kommunikation Leben retten kann, ist natürlich klar. Manchmal hilft eine Übersetzerapp, wenn man in einem Land ist, dessen Sprache man nicht spricht und einen medizinischen Notfall hat. Eine Polizeistreife im Stuttgarter Bezirk Feuerbach bemerkte einen Lkw-Fahrer, der in einer Haltebucht auf sich aufmerksam machte und offensichtlich ein Problem hatte. Doch der Fahrer sprach weder Deutsch, noch Englisch, sodass eine Verständigung nicht möglich war. Die Lösung: Der Lkw-Fahrer zückte sein Smartphone und startete eine Übersetzer-App. So erfuhren die Polizisten, dass er starke Schmerzen in seiner Brust hatte und riefen einen Rettungswagen. Die Sanitäter stellten einen Puls von über 200 fest und brachten ihn ins Krankenhaus, wodurch Schlimmeres verhindert werden konnte.

Repressionen gegen Übersetzer

Anlässlich des von der Oppositionsführerin Sviatlana Tsikhanouskaya für den 7. Februar ausgerufenen Internationalen Solidaritätstages mit Belarus fordern 46 Autoren- und 35 Übersetzerverbände aus 34 Ländern mit insgesamt 170.000 Mitgliedern die europäischen Kulturminister zu entschlossenem Handeln auf. Vertreten werden die Verbände von European Writers Council (EWC) und der European Council of Literary Translators‘ Associations (CEATL). Das Handeln des belarusischen Diktators Aljaksand Lukašenka schränkt Schriftsteller, Übersetzer, Blogger und den gesamten unabhängigen Kultursektor ein. Zensur, Folter, Verletzung der Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit, des Rechts auf ein faires Verfahren: Jedes Menschenrecht ist in Belarus systematisch außer Kraft gesetzt. Die Verbände verurteilen die aktuelle Situation. 593 Autoren, Übersetzer, Verleger, Buchhändler, aber auch Musiker, Schauspieler und andere Kulturschaffende sind seit den umstrittenen Wahlen im August 2020 oftmals Opfer von Menschenrechtsverletzungen und Angriffen auf kulturelle Rechte geworden, wie der Report des belarusischen PEN-Zentrums zeige. Mindestens 131 Schriftsteller und literarische Übersetzer seien demnach bisher verhaftet worden, erlebten Repressalien und Einschüchterungen. Außerdem gebe es Informationen über Entlassungen von Dozenten und akademisches Mobbing an den Universitäten.