Maschinelle Systeme und Übersetzung

Übersetzer*innen sitzen nicht mit ihrem Wörterbuch im stillen Kämmerlein, sondern sie bedienen sich unterschiedlichster Technologien, um mit anderen Menschen an einer Übersetzung zu arbeiten. Dazu zählen z.B. computergestützte Übersetzungssoftware oder Terminologiedatenbanken, die die Arbeit erleichtern und konsistentere Übersetzungen ermöglichen. Im Vergleich dazu werden maschinelle Übersetzungssysteme von allen ohne Vorkenntnisse verwendet. Damit ist sie in allen Lebensbereichen verfügbar. Während Übersetzer*innen ihre Produktivität mit Hilfe maschineller Übersetzungssysteme steigern können, erhalten diejenigen, die eine Sprache nicht beherrschen, die Möglichkeit, Texte zu übersetzen, die möglicherweise erst gar nicht übersetzt werden würden. Somit kann jeder verstehen, was der Bekannte gerade auf Social Media in einer anderen Sprache gepostet hat. Kleinere Fehler sind dort vielleicht nicht gravierend. Gleichzeitig aber können andere Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben, beispielsweise, wenn die Botschaft eines Textes komplett verändert wird. Um diese Fehler zu beseitigen, kann Post-Editieren, die Nachbearbeitung von maschineller Übersetzung, zum Einsatz kommen. Neuronale maschinelle Übersetzung beruht in vielen Fällen auf menschlich erstellten Sprachressourcen, mit denen die Maschine trainiert wird. Daher ist die Qualität der maschinellen Übersetzung häufig nur so gut wie die Qualität (und Quantität) der Daten, die für das Training verwendet wurden. Das führt teils zu großen Qualitätsunterschieden für bestimmte Sprachrichtungen, Fachgebiete oder Textsorten. Außerdem gilt es bei kostenlosen maschinellen Übersetzungssystemen, wie GoogleTranslate oder DeepL, zu beachten, dass man grundsätzlich sämtliche Nutzungsrechte an dem eingegebenen Text abtritt. Problematisch wird es, wenn man dadurch Geheimhaltungspflichten, wie z.B. bei Patenten verletzt oder Texte, die personenbezogene Daten, wie Namen oder Anschrift beinhalten, übersetzen lässt. In diesen Fällen kann die Nutzung auch rechtliche Folgen haben.

Das Berufsbild von Übersetzer*innen, wie das anderer Berufen auch, ist einem ständigen Wandel unterworfen. Technologie, insbesondere in Form von maschinellen Übersetzungssystemen, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dennoch sollten Übersetzer nicht um ihre Daseinsberechtigung fürchten, denn Kommunikation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ist derart komplex und vielfältig, dass der Bedarf für Experten der transkulturellen Kommunikation nicht schwinden wird.