Musiktexte übersetzen?

Musik zu übersetzen, war früher ganz normal: Elvis und die Beatles sangen etwa auch auf Deutsch. So etwas ist zwar seltenn geworden, aber es gibt noch manche übersetzten Songs. Die Qualität der Textübersetzung hat aber nicht unbedingt etwas damit zu tun, wie wortgetreu jemand am Werk gewesen sei, sondern vielmehr, wie organisch und in sich stimmig die neue Version klingt. Denn egal, wie nah man am Originaltext bleibe oder nicht: Eine Übersetzung bedeute immer erst mal Interpretation. Eine große Rolle spielt auch der Klang der gewählten Sprache, da der jeweilige Rhythmus, ihre Anmutung und auch die Konnotationen, die sie weckt, immer einmalig sind– man denke etwa an das Image der französischen Sprache hierzulande. Besonders beliebt war es beispielsweise in den 1960er-Jahren in Westdeutschland, wenn US-Amerikaner und Briten für den deutschen Markt ihre Songs auch auf Deutsch gesungen haben. Der Song von Dusty Springfield hieß dann aber nicht mehr „Wishin‘ and Hopin‘“, sondern „Warten und Hoffen“. Aber um international wirklich erfolgreich zu sein, müssten Songtexte dann doch meist ins Englische übersetzt werden – wie zum Beispiel „Girl from Ipanema“, einem ursprünglich portugiesischen Song aus Brasilien. Dieser ist dabei so gar nicht mit dem portugiesischen Original zu vergleichen: Die Brasilianer betrachten die englische Textversion als totale Verflachung, weil der Song von Vinicius de Moraes, einem der großen Dichter und Songtexter Brasiliens, zuvor einen poetischen, ja geradezu lebensphilosophischen Text hatte. Daraus seien nur diese berühmten Worte ‚Tall and tan and young and lovely The girl from Ipanema goes walking‘ übrig geblieben.