Normseitenhonorare weiter gesunken

Der Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) ist enttäuscht: Die Normseitenhonorare für Literaturübersetzungen waren 2017 und 2018 nochmals niedriger als in den Vorjahren. Inflationsbereinigt lag der Durchschnittssatz bei 18,72 Euro, rund 13 Cent weniger als in 2016. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der 1954 gegründete Verein von Anfang April bis Anfang Juni 2019 bei seinen Mitgliedern durchgeführt hat. Seit Jahren sind die Honorare für Übersetzer zu niedrig. 2001 betrug das Normseitenhonorar noch 22,11 Euro und sank danach nur noch bis zu einen zwischenzeitlichen TIefpunkt von 17,83 Euro je Seite in den Jahren 2004 bis 2008. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, vereinbarte der Verband 2014 mit mehreren Verlagen Gemeinsame Vergütungsregeln (GVR), die als Richtwert bei Übersetzerverträgen gelten sollen. Allerdings erfüllen laut VdÜ bislang lediglich rund 7% der Verlage die Mindestvorgaben. Auch Übersetzer haben einen gesetzlichen Anspruch auf angemessene Vergütung. Viele schrecken aber aus Angst vor Auftragseinbußen zurück. Die überwiegend weiblichen Übersetzer geraten dadurch in eine prekäre Lage: Mit einem Jahresgewinn von rund 19.000 Euro erzielten Übersetzer laut VdÜ nur 55% des bundesdeutschen Durchschnittseinkommens. Eine Rentenerwartung von im Schnitt unter 700 Euro bedeutet für sie, dass sie auch im Alter akut armutsgefährdet sind.