Politische Korrektheit in der Literaturübersetzung

Übersetzer stehen oft vor der Frage, ob die Neuauflage eines Literaturklassikers Begriffe enthalten darf, die heutzutage als anstößig gelten. Einige prägnante Formulierungen sind schon in den bekanntesten und anscheinend harmlosesten Büchern vorhanden und die Debatte um politische Korrektheit in der Literatur wird seit Jahren geführt. Eines der berühmtesten Beispiele in Deutschland ist die Geschichte von Pippi Langstrumpf, geschrieben von der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. In dem 1948 auf Schwedisch erschienenen Buch „Pippi Langstrumpf in der Südsee“ wird Pippis Vater als „Negerkönig“ bezeichnet. In der deutschen Neuübersetzung von 2009 wurde der Begriff in „Südseekönig“ abgeändert. Die englische Erstübersetzung hatte sich zuvor bereits mit dem Begriff „Kannibalenkönig“ beholfen, der aber wiederum ebenfalls rassistische Konnotationen hervorrief. Ein anderes Beispiel: Im Jahr 2011 erschien eine neue englische Ausgabe des Literaturklassikers „Huckleberry Finn“ von Mark Twain. Diese Neufassung verzichtete auf das Wort „Nigger“, das im Originaltext 219 Mal vorkommt. Kritiker sagten dazu allerdings, dies würde einen großen anti-rassistischen Roman verfälschen. Daher ist in der deutschen Neuübersetzung aus dem Jahr 2010 das Wort „Nigger Jim“ beibehalten. Dabei ist es wichtig, solche Begriffe nicht einfach stehen zu lassen, sondern sie in ihrem Kontext zu erläutern, notfalls sogar in separaten Anmerkungen. Zudem war die Wortwahl in „Huckleberry Finn“ bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches 1884 politisch nicht korrekt. Trotz dieser provokativen Verwendung rassistischer Begriffe gilt Mark Twains Werk unter Wissenschaftlern als antirassistisch.