Verfahrensverzögerung durch Übersetzer

Als Dolmetscher und Übersetzer vor Gericht sollte man ein extrem hohes Maß an Genauigkeit und Aufmerksamkeit in der Arbeit mitbringen. Die Folgen davon, wenn ein Übersetzer nicht gründlich arbeitet, zeigten sich am Montag beim Großverfahren am Landgericht Essen wegen eines versuchten Ehrenmordes. Dieser ist aufgrund der hohen Zahl der Beteiligten generell schon unübersichtlich. Mehr als 70 Menschen sind im Saal: 13 Angeklagte, davon einige mit mehreren Verteidigern und jeder mit einem Dolmetscher, Staatsanwälte, Nebenklage-Vertreter, Richter, Schöffen, Schriftführer, Simultan-Übersetzer und Personenschützer. Zuletzt gab es Irritationen bei der Übersetzung der Anklageschrift.

Daraus wurde beim dritten Prozesstag am Montag nun folgenschwere Situation: Nachdem Dolmetscher Kanho Kanho Fehler in der Übersetzung eingeräumt hatte, musste diese noch einmal korrigiert und in Teilen neu übersetzt werden, wonach sie den Angeklagten erneut übergeben wurde. Nun haben sie nochmals eine Woche Zeit, um die neue Übersetzung auf weitere Fehler zu prüfen.

Bevor der dritte Prozesstag nach gerade einmal rund einer Stunde wieder beendet wurde, sorgte Rechtsanwalt Markus Kluck noch für einen Paukenschlag. Der Verteidiger des Angeklagten Houssein M. (27) beantragte, dass Dolmetscher Kanho Kanho und alle anderen Angestellten des Essener Übersetzer-Büros ProAccenta vom Prozess ausgeschlossen werden. Diese Prozessverzögerung hätte im Sinne einer beschleunigten Justiz und Verfahrensökonomie nur zu leicht verhindert werden können.