Archiv des Autors: Rose & Dmowska

Übersetzer trotz Englisch?

Immer wieder stellen sich Menshcen die Frage, ob Übersetzer trotz maschinellem Fortschritt noch gebraucht werden. Viel interessanter jedoch: Werden Dolmetscher nicht überflüssig, weil heutzutage praktisch jeder, der etwas erreichen möchte, Englisch spricht?

Die Antwort ist: Übersetzen ist mehr als bloße Verständigung, es ist wie die Seele der Sprache für den anderen fühlbar zu übertragen. Durch einen Übersetzer kommen alle Nuancen besser zur Geltung, wenn dieser seine Arbeit so macht, wie es üblicherweise erwartet wird: ehrlich, konsequent und unverfälscht. Ohne Auslassungen und mit Empathie. Dann funktioniert zwischenmenschliche Kommunikation über Sprachbarrieren hinweg und der Gegenüber wird wissen, ob ihm der Andere sympathisch ist. Der Übersetzer darf sich weder inhaltlich noch emotional einmishcen, denn das bricht das zwischenmenschliche Band von etwa Verhandlungspartnern. Und gute Geschäftskontakte leben nun mal und profotieren um ein Vielfaches davon, wenn sich die Geschäftspartner selbst verstehen.

Ehrung in Penzlin

Geografisch zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz gelegen, zählt die Stadt Penzlin mit ihren knapp über 4000 Einwohnern zu den eher unauffälligen Städten in Mecklenburg-Vorpommern. Hier ist nun nach zehnjähriger Planungs- und Bauphase das Johann-Heinrich-Voß-Haus in der historischen Innenstadt von Penzlin fertiggestellt worden.  Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus von 1750, in dem einst der Dichter und Übersetzer Johann Heinrich Voß zur Schule ging, wurde behutsam saniert und um einen angegliederten Neubau erweitert. Mit seinen Übersetzungen der großen Epen Ilias und Odyssee von Homer bereitete Johann Heinrich Voß der deutschen Literatur den Weg in die griechische Antike. Das Gedenken an ihn trägt nun das neue Gebäudeensemble, welchen den Alten Markt belebt und durch moderne Architektur das Stadtbild bereichert.

Maschinelle Systeme und Übersetzung

Übersetzer*innen sitzen nicht mit ihrem Wörterbuch im stillen Kämmerlein, sondern sie bedienen sich unterschiedlichster Technologien, um mit anderen Menschen an einer Übersetzung zu arbeiten. Dazu zählen z.B. computergestützte Übersetzungssoftware oder Terminologiedatenbanken, die die Arbeit erleichtern und konsistentere Übersetzungen ermöglichen. Im Vergleich dazu werden maschinelle Übersetzungssysteme von allen ohne Vorkenntnisse verwendet. Damit ist sie in allen Lebensbereichen verfügbar. Während Übersetzer*innen ihre Produktivität mit Hilfe maschineller Übersetzungssysteme steigern können, erhalten diejenigen, die eine Sprache nicht beherrschen, die Möglichkeit, Texte zu übersetzen, die möglicherweise erst gar nicht übersetzt werden würden. Somit kann jeder verstehen, was der Bekannte gerade auf Social Media in einer anderen Sprache gepostet hat. Kleinere Fehler sind dort vielleicht nicht gravierend. Gleichzeitig aber können andere Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben, beispielsweise, wenn die Botschaft eines Textes komplett verändert wird. Um diese Fehler zu beseitigen, kann Post-Editieren, die Nachbearbeitung von maschineller Übersetzung, zum Einsatz kommen. Neuronale maschinelle Übersetzung beruht in vielen Fällen auf menschlich erstellten Sprachressourcen, mit denen die Maschine trainiert wird. Daher ist die Qualität der maschinellen Übersetzung häufig nur so gut wie die Qualität (und Quantität) der Daten, die für das Training verwendet wurden. Das führt teils zu großen Qualitätsunterschieden für bestimmte Sprachrichtungen, Fachgebiete oder Textsorten. Außerdem gilt es bei kostenlosen maschinellen Übersetzungssystemen, wie GoogleTranslate oder DeepL, zu beachten, dass man grundsätzlich sämtliche Nutzungsrechte an dem eingegebenen Text abtritt. Problematisch wird es, wenn man dadurch Geheimhaltungspflichten, wie z.B. bei Patenten verletzt oder Texte, die personenbezogene Daten, wie Namen oder Anschrift beinhalten, übersetzen lässt. In diesen Fällen kann die Nutzung auch rechtliche Folgen haben.

Das Berufsbild von Übersetzer*innen, wie das anderer Berufen auch, ist einem ständigen Wandel unterworfen. Technologie, insbesondere in Form von maschinellen Übersetzungssystemen, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dennoch sollten Übersetzer nicht um ihre Daseinsberechtigung fürchten, denn Kommunikation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ist derart komplex und vielfältig, dass der Bedarf für Experten der transkulturellen Kommunikation nicht schwinden wird.

Übersetzerpreise vergeben

Der Übersetzer Volker Oldenburg wird mit dem diesjährigen Heinrich-Maria-Ledig-Rowolth-Preis geehrt. Seine herausragenden Übersetzungen der Romane von David Mitchell, insbesondere des „Wolkenatlas“ werden prämiert. Die Übersetzung dieses Romans habe eine Erfindung einer ganz neuen Kunstsprache erfordert, so die Jury. Der Preis ist mit 15000 Euro dotiert.

Einen weiteren, mit 10000 Euro dotierten Preis unter dem Namen Jane-Scatcherd-Preis erhält Clausia Steinitz für ihre Übersetzungen aus dem Französischen, unter anderem für Véronique Olmi, Albertine Sarrazin und Virginie Despentes. Letztlich erhält Simon Werle den Paul-Scheerbart-Preis, dotiert mit 5000 Euro, für die Übersetzunges der Lyrik und Prosagedichte von Charles Baudelaire. Diese Übersetzer setzen im Spannungsfeld von historischer und moderner Interpretation, Rhythmus, strenger Form sowie Sprechgestus neue Maßstäbe, so die Jury.