Archiv des Autors: Rose & Dmowska

Neue Korrektur-Software

Die Kundenliste des 2002 gegründeten Berliner Unternehmens Acrolinx enthält unter anderem Firmen wie Google, Facebook, Microsoft, Nestlé oder Boeing, die auf diese Expertise vertrauen. Entstanden ist das Berliner Unternehmen als Ausgründung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das Besondere an Acrolinx ist deren Entwicklung: eine Art digitaler Lektor, eine Software, um die Sprachqualität zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu machen. Wenn diese Software installiert ist, braucht man nur Word zu öffnen und es ploppt ein Fenster auf. Die Software bewertet den übersetzten Text mit einem Punktesystem, wobei 100 ideal wäre. Bei 80 wird die Farbe des Fensters grün. Die Probleme im Beispieltext fangen schon bei der Überschrift an. Über drei Zeilen erstreckt sie sich. „Zu lang?“, heißt es in den Anmerkungen im Fenster daneben. Auch sonst sind viele Wörter und ganze Sätze blau markiert. Bemängelt werden dort eine hohe Dichte an Substantivierungen und sogenannte Passivkonstruktionen, was typisch für Behördendeutsch ist. Das Programm warnt auch bei einer zu hohen Dichte an Nebensätzen, was helfen soll, den Text leichter verständlich zu machen. Ebenso fragt die Software bei manchen Wörtern, ob diese nicht als Floskel gestrichen werden können. Die Verbesserung von Verständlichkeit und Stil ist jedoch nur ein Aspekt. Sechs Sprachen beherrscht Acrolinx: Deutsch, Englisch, Japanisch, Chinesisch, Französisch und Schwedisch. Auch dort soll man die Übersetzungen leicht verständlich überarbeiten können.

Fachbereich Russisch in Leipzig vor dem Aus

Die letzte Ausbildungsstätte für Russisch-Dolmetscher und -Übersetzer in den neuen Bundesländern soll geschlossen werden. Das stößt bei den Studenten auf heftigen WIderstand und führte zu einer Petition, denn die Schließung des Fachbereichs Russisch an der Universität Leipzig bedeute einen Rückschritt in der Völkerverständigung. Im ostdeutschen Bildungssystem war Russisch immer schon ein wichtiger Bestandteil und wird nun langsam aus den höchsten Bildungseinrichtungen verdrängt. In den neuen Bundesländern ist die Sprache als Übersetzungswissenschaft sogar vollständig gefährdet. Am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) an der Universität Leipzig soll der Sprachschwerpunkt Russisch geschlossen werden, nachdem die für die Lehre nötigen Stellen teils an andere Institute abgewandert sind, teils gestrichen wurden. Absolventen der Einrichtung wirkten immer wieder auf höchster politischer und diplomatischer Ebene und leisteten einen wichtigen Beitrag für das Fortkommen der Bundesrepublik, betonen die Studenten in der Mitteilung. Gute Dolmetscher und Übersetzer sind unsichtbar und unterschätzt. Die Folgen dieser Unsichtbarkeit wird die Öffentlichkeit erst zu spüren bekommen, wenn die Streichung Geschichte ist, heißt es von Seiten der Studierendenvertretung des IALT. Deswegen die Petition auf change.org!

Verfahrensverzögerung durch Übersetzer

Als Dolmetscher und Übersetzer vor Gericht sollte man ein extrem hohes Maß an Genauigkeit und Aufmerksamkeit in der Arbeit mitbringen. Die Folgen davon, wenn ein Übersetzer nicht gründlich arbeitet, zeigten sich am Montag beim Großverfahren am Landgericht Essen wegen eines versuchten Ehrenmordes. Dieser ist aufgrund der hohen Zahl der Beteiligten generell schon unübersichtlich. Mehr als 70 Menschen sind im Saal: 13 Angeklagte, davon einige mit mehreren Verteidigern und jeder mit einem Dolmetscher, Staatsanwälte, Nebenklage-Vertreter, Richter, Schöffen, Schriftführer, Simultan-Übersetzer und Personenschützer. Zuletzt gab es Irritationen bei der Übersetzung der Anklageschrift.

Daraus wurde beim dritten Prozesstag am Montag nun folgenschwere Situation: Nachdem Dolmetscher Kanho Kanho Fehler in der Übersetzung eingeräumt hatte, musste diese noch einmal korrigiert und in Teilen neu übersetzt werden, wonach sie den Angeklagten erneut übergeben wurde. Nun haben sie nochmals eine Woche Zeit, um die neue Übersetzung auf weitere Fehler zu prüfen.

Bevor der dritte Prozesstag nach gerade einmal rund einer Stunde wieder beendet wurde, sorgte Rechtsanwalt Markus Kluck noch für einen Paukenschlag. Der Verteidiger des Angeklagten Houssein M. (27) beantragte, dass Dolmetscher Kanho Kanho und alle anderen Angestellten des Essener Übersetzer-Büros ProAccenta vom Prozess ausgeschlossen werden. Diese Prozessverzögerung hätte im Sinne einer beschleunigten Justiz und Verfahrensökonomie nur zu leicht verhindert werden können.

Großes Übersetzer-Treffen in Schramberg

Die beiden Gründer des Unternehmens Getranet (German Translation Network) Walter und Arno Ruesch aus Freiburg im vergangenen Herbst die Übersetzungsagentur RKT übernommen. An diesem Wochenende haben die Mitarbeitern der fünf Getranet-Standorte in Schramberg gemeinsam getagt. Dank RKT beschäftige Getranet auch Inhouse-Übersetzer, wobei mittlerweile arbeiten bei Getranet an die 50 Festangestellte und etwa 350 freiberufliche Übersetzer. Dadurch entstünden sehr viele Synergien und Getranet könne sehr viele Sprachen und Fachwissen anbieten. Bei einem Empfang am Samstagmittag betonte Arno Ruesch, dass der Standort Schramberg ein wichtiger Posten der Firma sei. Walter Ruesch dankte RKT-Gründer Trost für dessen jahrzehntelange Aufbauarbeit. Oberbürgermeister Thomas Herzog begrüßte das Unternehmen Getranet in Schramberg und stellte die Stadt mit ihren an die 12 000 Arbeitsplätzen vor.