Eine gelungene (Buch-) Übersetzung

Was ist das Geheimnis einer gelungenen Romanübersetzung?

Als Übersetzer sollte man sich zunächst im Klaren darüber sein, welche Leistung man erbringen soll und was erwartet wird: Es soll keine seelenlose Wort-für-Wort-Wiedergabe des Ursprungstextes sein. Sondern es ist vielmehr gefordert, die Lebhaftigkeit, den Stil, die Sprachstruktur und die Eigendynamik des jeweligen Originals in der Übersetzung zu erhalten und wiederzugeben. Daher ist der Übersetzer nicht weniger kreativ als der Autor, da er passende Wortwendungen in der Zielsprache finden muss, die auch einer Wortneuschöpfung der ursprünglichen Autors gerecht werden. Wenn lediglich Wörter übersetzt werden, ohne die tiefere Bedeutung des Geschriebenen in die Zielsprache zu transferieren, dann liegt eine nicht gelungene Übersetzung vor. Der Übersetzer muss Emotionen, zwischenmenschliche Beziehungen und Unausgeprochenes „zwischen den Zeilen“ in die Zielsprache übertragen. Kulturbezogen muss man dann auch mal national verwendete Worthülsen verwenden, damit der Text funktioniert. Die Stimmung des übersetzten Textes entsteht, wenn man Wörter neu in Beziehung zueinander setzt, wobei allerdings sehr genau auf die Aussage des Textes geachtet werden muss, da diese nicht verloren gehen oder verändert werden darf.

Literarische Texte zu übersetzen fordert also beides: Hohe Genauigkeit, aber auch ein Maß an Kreativität.