Aus der Rubrik: Prominente übersetzen. Auch Donald Trump erweist sich als überaus schwieriger Kandidat. Als er beispielsweise seinen Unmut über die Herkunftsstaaten vieler Migranten mit der Bezeichnung „shithole countries“ zum Ausdruck brachte, wussten die Dolmetscher weltweit nicht, wie man das zitierfähig übertragen könnte. Ein „Rattenloch“ habe Trump gemeint, hieß es in der französischen Zeitung „Libération“. „Drecksloch-Staaten“ seien es gewesen, vermeldeten viele Medien hierzulande. Die wörtliche Übersetzung von „Shit“ nutzte niemand. Diese hilft zudem oft nicht weiter und viele Übersetzer verzweifeln an der Aufgabe einer zuverlässigen, angemessenen Übersetzung. Trump so zu übersetzen wie er wirklich spricht, ohne verschämtes Glätten, Anpassen und Verharmlosen, das muss man sich trauen. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe besteht in einem eigenartigen Widerspruch. Einerseits ist da nämlich ein Wortschatz von geradezu absurder Schlichtheit: Rudimentäre Englischkenntnisse genügen, um den Informationsgehalt der allermeisten Aussagen zu verstehen. Andererseits aber gewinnen gerade deshalb Sekundärfaktoren umso mehr an Bedeutung. Das Problem ist bekannt, etwa von Redewendungen, wenn die Bedeutung sich nicht von selbst erschließt, weil sie so nur in der anderen Sprache existiert. Bei Trump muss auch immer mit interpretiert werden. Krönendes Beispiel ist der Besuch Trumps in Paris 2017, bei dem er der Première Dame, Brigitte Macron, mit den Worten: „You’re in such good shape!“ begrüßte. In Kenntnis von Trumps unverhohlenem Sexismus ist die richtige Übersetzung das taktlose: „Sie haben sich gut gehalten!“ statt eines akzeptablen: „Sie sehen sehr fit/gesund aus!“.
Oft darf man ihn aber auch nicht interpretieren, sondern muss seine Botschaften und Gedanken in ihren wirren Satzkonstruktionen mit ihren manischen Wiederholungen und abstrusen Wendungen so holprig zu übertragen, wie er sich selbst zeigt. Umso mehr wird die Art des Sprechens zur Botschaft: Glättend einzugreifen würde nur verfälschen.
Also ein ganz komplizierter Fall einer spitzfindigen Gratwanderung, von der man sein Hirn nicht vergiften lassen sollte.