Wie man Literaturnobelpreisträger übersetzt

Sie ist ausgebildete Friseurin und studierte Polonistin. Lisa Palmes, Enkelin des Grevener Landschaftsmalers Wilhelm Palmes (1903-1982), hat Bücher der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk sowie von Joanna Bator, Wojciech Jagielski, Lidia Ostałowska, Filip Springer übersetzt. Nachdem sie über Umwege eine Friseurlehre anfing, sozusagen das Gegenteil zu ihrem früheren Studium der Philosophie, lernte sie die Großmutter einer Arbeitskollegin kennen, die eine imponierende Frau war. Aber leider verstand sie nichts von ihren interessanten Geschichten und kaum einer sprach damals Englisch. Daher fing Palmes an, Polnisch zu lernen, inklusive eines Sommerkurses an einer polnischen Uni. Sie übersetzte litaratische Reportagen aus dem Polnischen und musste gezwungenermaßen ihre eigene Literaturagentin sein. Zu Olga Tokarczuk kam Palmes, nachdem der eigentliche Überstezer verstorben war und Tokarczuk seit Jahren nichts für den deutschen Markt geschrieben hatte. Zudem war ihr Verhältnis zu den Verlagen manchmal schwierig. In dieser Lage wurde Palm von Esther Kinsky gefragt, ob sie nicht eine Probeübersetzung von den „Jakobsbüchern“ machen könnte. Zurzeit ist Palmes an der Akademie der Wissenschaften in Berlin mit einer 60-Prozent-Stelle als Lexikographin. Sie digitalisieren die Wörterbuchbestände und aktualisieren die Einträge. Palmes arbeitet in einer Gruppe, die sich mit Phraseologismen beschäftigt, die sich speziell mit Redewendungen beschäftigt, dazu Definitionen verfasst und Belege für die entsprechenden Wendungen aus riesigen Textsammlungen, vor allem aus Zeitungen suchen. Jede Wendung wird mit etwa fünf Beispielen veröffentlicht.