Übersetzer in der EU

Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, CDU und CSU ist auch die Gleichberechtigung der deutschen Sprache in Brüssel ein Thema, denn Deutsch solle auch in der Praxis den anderen beiden Verfahrenssprachen Englisch und Französisch gleichgestellt werden. Dies ist angesichts der Fülle an anderssprachigen Dokumenten nachvollziehbar, da in der vergangenen Legislaturperiode 1510 Dokumente den Buntestagsausschüssen durch die EU-Kommission vorgelegt worden sind. Auch wenn davon dur zwölf vollständig auf Englisch waren, war es die Masse an Anlagen und Anhängen, die für eine Beratung wesentlich sind und nicht übersetzt waren. Ohne Fachwörterwissen zu vertieften Materie sind Problematiken der Handeslpolitik oder der Behörde Europol nur oberflächlich für den Sprachlaien zu verstehen. Viele beratungs- und entscheidungsrelevante Dokumente sind so komplex, dass selbst gute Englisch-Kenntnisse nicht weiterhelfen würden, wie es in einem Beschluss des Bundestagen beklagt wird und dass viele Dokumente nicht oder nur unvollständig auf Deutsch vorlägen. Dabei hat die EU im vergangenen Jahr allein 2,2 Millionen Seiten in andere Sprachen übersetzt. Aber bei den mehr als 2000 Mitarbeitern in der „Generaldirektion Übersetzung“ der EU geht es wegen des ständigen Spardrucks eher um Stellenabbau statt Stellenausbau. Zumindest gibt es die Zusage von Oettinger, dass bei den 106 für die Deutsche Sprache zuständigen Mitarbeitern keine Stelle wegfällt und alle nachbesetzt werden. Die zahlreichen Mitberatungsrechte in der Europapolitik lassen sich nur dann richtig ausschöpfen, wenn amtliche Übersetzungen gegeben sind.