Archiv des Autors: Rose & Dmowska

Videospiele – auch zu übersetzen

Es ist ein hervorhebungswürdiger Vorteil von deutschen Medien, dass hier den Fernsehzuschauern alles in verständlichen Häppchen auf dem Silbertablett serviert wird, was in anderen europäischen Ländern lange keine Selbstverständlichkeit ist. Das gilt unter anderem und vor allem für Übersetzungen und Synchronisationen von Filmen. Und Videospielen. Hier ist das Metier besonders herausfordernd: Die Produktionspläne der Spieleentwickler sind meist eng gestrickt und es ist dabei sogar dann noch viel zu tun, wenn alle Texte in der Originalversion vorliegen. Dann geht es nämlich an weitere Sprachversionen, die die Spieleübersetzer erarbeiten, die für die Übersetzung sämtlicher Texte im Game zuständig sind. Neben den gesprochenen Texten der vorkommenden Figuren müssen sie unter anderem auch die Menüs sowie sämtliche Eigennamen übersetzen. bei der Übersetzung eines Spiels wird, ähnlich wie bei normaler Literaturübersetzung, nicht nur Text von einer Sprache in eine andere übertragen. Auch der bestimmte kulturelle Kontext, der meist örtlich deutlich begrenzt ist, muss angepasst werden und diesen Vorgang bezeichnet man als Lokalisierung. Dabei arbeiten diese Übersetzer überwiegend unter Zeitdruck, da Veröffentlichungsdaten bereits in einer frühen Phase der Entwicklung feststehen und zwingend eingehalten werden müssen, sodass die Zeit für Übersetzungen meist hintenüber fällt. Das Problem verschärft sich bei freiberuflichen Übersetzern, die sich nur auf Informationen aus einem Briefing stützen können, wenn das Videospiel noch nicht vorliegt und Hintergrundinformationen, Textbeispiele oder vergleichbares Material fehlt. Ebenso müssen die Übersetzer sich der Herausforderung stellen, die Texte oft nicht originalgetreu zu übersetzen, sondern so, dass die Spieler wissen, was sie als nächstes zu tun haben. Also dann: Auf ins nächste (Vidoe-) Abenteuer!

Neue Sprachen für Europa

Irland ist seit dem Jahr 1973 Mitglied in der EU und zunächst übersetzten die Iren ins Englische. Als Malta beitrat und Maltesisch im Jahr 2004 einführte, auch wenn alle Malteser Englisch sprechen, erinnerten sich die Iren ebenso an ihre zweite Amtssprache, das Gälische, das bis 2022 gleichberechtigte Amtssprache werden soll, obwohl nur jeder 48. Ire Muttersprachler ist und nicht mal alle irischen Parlamentarier die Sprache verstehen. Die Kommission sucht derzeit händeringend Übersetzer für Gälisch, denn die Sprache ist ein Sonderfall. Weil die Sprache keine Lehnwörter kennt, müssen Übersetzer sehr oft neue Wörter erfinden, wie zum Beispiel für das Modewort „Mobilisierung“ oder „terroristisch“. Pro Jahr wächst das Gälische dadurch um 100 Begriffe. Dabei erzeugt es durchaus Konflikte, wenn jedes Land seine eigenen Sprachen berücksichtigt haben möchte. Um kein Land zu diskriminieren, behandelt die EU alle gleich. Jeder kriegt seine Sprache, keiner will verzichten. Nach dem Wunsch der Iren 2004 meldeten sich die Spanier und wollten Katalanisch, Baskisch und Galicisch einführen. Auch deutsche Parlamentarier schimpfen gern in Richtung Brüssel. Aber nicht, weil sie Bürokratie in Brüssel abbauen wollen. Sie wollen noch mehr Dokumente übersetzt haben.

Sprachengewirr in Europa

Europa ist besonders. Wer quer durch den amerikanischen Kontinent reist, benötigt unterwegs nur Spanisch und Englisch. Wer von Brüssel nach Bukarest fährt, kann dabei Französisch, Niederländisch, Deutsch, Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch und Rumänisch zurückgreifen müssen. Denn in der EU gibt es unter den 28 Staaten 24 verschiedene Sprachen. Dabei muss jedes Gesetz, das die Politiker entwerfen, präzise in alle Sprachen übertragen werden. Ebenso ist es mit der täglichen Korrespondenz, denn sollte ein Schreiben auf Schwedisch eintreffen, muss ein deutscher Politiker es bearbeiten können. Und damit die EU-Integration gelingt und die Funktionalität aufrecht erhalten bleibt, arbeiten täglich mehrere Übersetzer und Dolmetscher daran, die die Kommunikation zwischen dem Rat, dem Parlament und der Kommission der EU sicherstellen. Allein die Übersetzer haben im letzten Jahr mehr als zwei Millionen Seiten übersetzt. Viele der in Brüssel lebenden und arbeitenden Übersetzer haben den Anspruch, der beste Übersetzerdienst der Welt zu sein. Dann steht man hinter der Idee Europa. Die Organisation unter den Übersetzern ist hervorragend ausgearbeitet und ermöglicht ein reibungsloses und, ganz wichtig, pünktliches Arbeiten. Das bedeutet manchmal eben, Nächte durchzuarbeiten und selbst die kleinsten Fehler aufmerksam zu entdecken. Leider ist Sprache auch politisch, denn oft wird über die Übersetzerkosten gestritten, insgesamt 1,1 Milliarden Euro im Jahr, umgerechnet zwei Euro pro Bürger. Aber wer sonst sollte die Kommunikation am Laufen halten? Selbst an Freelancer müssen die angestellten Übersetzer schon auslagern, bei der ganzen Flut an Dokumenten. Aber immer sind sie da und bringen Politiker, Menschen, über Sprachgrenzen hinweg zusammen.

Aus Sicht des Übersetzten

Mal eine ungewöhnliche Frage: Wie fühlt sich der eigene Text an in einer fremden Sprache, die man als Verfasser selbst nicht spricht? Findet man ihn, im Falle, dass er vorgelesen wird, noch schön? Erkennt man seine Handschrift, Textmelodie, den Satzbau? Vermutlich eher nicht. Denn die Melodien und der Satzbau von Sprachen sind genauso vielfältig wie der Schreibstil des Verfassers selbst. Zwar sind Literaturübersetzer oder die, die es mit Prosa zu tun haben, stets darauf bedacht, das Werk und die Mundart des Autors auch in der Übersetzung möglichst originalgetreu wiederzugeben. Allerdings fügen sie natürlich auch etwas von ihrem eigenen Stil hinzu, etwas aus der Zielsprache, aus diesem Slang. Manchmal müssen sie sogar neue Worte erschaffen für die Kreationen des ursprünglichen Autors. Der muss die Sprache nicht schön finden, in die sein Buch übersetzt wurde oder gar sein Werk ganzheitlich nach Sprachmelodie und Satzbau wiedererkennen. Aber der Verfassende sollte stolz und froh darüber sein, dass so viele Menschen Zugang zu einem Herzensprojekt bekommen.