Die britische Regierung hat ihr «Weißbuch» mit den neuesten Vorschlägen für die Scheidungsverhandlungen mit der Europäischen Union veröffentlicht. Dazu dachte man sich in Großbritannien, dass man dieses, oder zumindest die Zusammenfassung des rund 100-seitigen Papiers, nicht nur auf Englisch, sondern auch in allen übrigen 23 Amtssprachen der EU anbieten wollte. Da man auf das Entgegenkommen der übrigen EU-Staaten bei den Brexit-Verhandlungen angewiesen ist, sollte es wohl eine gute Geste darstellen. Allerdings war der Wille eher da als eine tatsächlich hochwertige Übersetzung. Die über wiegenden Texte weisen viele Übersetzungsfehler auf; allein der deutsche Text ist mit „Deutsche“ statt „Deutsch“ betitelt. Als französische Übersetzung von «a principled Brexit» las man «Brexit vertueux». Beim Brexit-Ministerium versprach man Korrekturen und betonte gleichzeitig, die kleinen Unebenheiten seien für die Substanz des Textes keineswegs entscheidend. Dem würde allerdings jeder Qualifizierte Übersetzer widersprechen. Zudem zeugt es von Gleichgültigkeit und mangelndem Respekt den Mitgliedstaaten gegenüber, den Text nicht ordentlich redigieren zu lassen- zum Beispiel von Muttersprachlern. Da hilft es auch nicht zu wissen, dass es in Großbritannien generell mit Fremdsprachenkenntnissen nicht zum Besten steht. Denn laut Angaben des Außenministeriums beherrschen nur 60 Prozent des Personals in britischen Botschaften die jeweilige lokale Sprache «ausreichend».