Babel – Festival di letteratura e traduzione, 13.-16.9.2018

In Bellinzona findet das vom Tessiner Vanni Bianconi organisierte und ins Leben gerufene Literaturfestival zum 13. Mal statt. Autorinnen, Autoren aus unterschiedlichen Sprachräumen und italienische Übersetzer treffen im Teatro Sociale vor Publikum aufeinander. Oft begegnen sie sich persönlich das erste Mal. Der Übersetzer stellt dem Autor Fragen zum Werk. Immer wieder wird dabei deutlich, dass er vom Werk eine Innenansicht hat wie wohl keine andere Person. Die Debatten hätten eine andere Dynamik, als wenn Kritiker oder Leser Fragen stellen. Die Diskussionen ufern nicht aus, sondern bleiben eng an Thema, Sprache und Begrifflichkeiten, so Bianconi. Zum Babel-Programm gehören Workshops, Theater, Konzerte und Filme. Dieses Jahr steht thematisch BRasilien im Mittelpunkt. Dies zu organisieren, war eine Herausforderung, die oftmaliges Umstellen des Konzerts verlangte, da Leben und Gesellschaft und die Vielzahl der indigenen Sprachen neben dem Portugiesischen in der Literatur in ihrer Vielzehl besonders sind. Ziel des Veranstalters ist es nun, bei der Auswahl der Autoren bis in die Favelas vorzudringen, indigene Literatur zu präsentieren, emigrierte Schriftsteller zu finden. In den Originalsprachen gibt es schon erste Erfolge. Aber die Veröffentlichung von internationaler Literatur ist für Bianconi auch ein wichtiger Nebeneffekt des Festivals. Hauptsprache des Festivals bleibt allerdings Italienisch. Eine besondere Rubrik beim Festival ist zudem der Austausch von poetischen Werken zwischen drei Dichtern untereinander aus den Sprachen Französisch, Deutsch und Italienisch, die diese dann in ihre jeweilige Muttersprache übertragen. Am Ende werden die Ergebnisse vor Publikum präsentiert und online veröffentlicht.

Für Bianconi macht die Idee des Festivals aus, dass Übersetzung nicht einfach ein technischer Akt ist, sondern eine eigene Kunstform. Er vergleicht Überseten mit der Arbeit eines Violinisten: Der Komponist schreibe die Partitur, der Musiker interpretiere sie. Niemand würde dem Violinisten deswegen absprechen, ein Künstler zu sein. In der italienischen Literatur habe der Übersetzer oder die Übersetzerin noch vor zehn Jahren ein Schattendasein gelebt und sind teilweise in den Büchern namentlich gar nicht erwähnt worden. Eine weitere schöne Interpretation der Aufgabe eines Literaturübersetzers gibt Bianconi gleich mit dazu: Übersetzung sei sprachliche Gastfreundschaft und ein Modell für alle Formen der Hospitalität. Sie schlage eine Brücke zwischen den Kulturen. Ein Übersetzer werde seiner Aufgabe nur gerecht, wenn er das jeweils andere Land kenne und die Kultur verinnerlicht habe.

Ein Festival mit solch einer Botschaft kann nur interessant werden.