In der Schweiz haben Dolmetscher manchmal auch eine ungewöhnliche Spezialisierung: Sie übersetzen vor Ort bei Spitälern, wenn eine ärztliche Untersuchung ansteht und der Patient keine der in der Schweiz geprochenen Sprachen beherrscht. Ziel ist es, Missverständnisse zu vermeiden und die Patienten ausfühlich und korrekt über Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Dabei ist die Nachfrage rasant gestiegen: Von 89 Einsätzen in einem Spital im Jahr 2009 stieg die Zahl der Einsätze 2016 bereits auf 2008. Im Kantonsspital Aarau sind es momentan dabei 37 Sprachen, die übersetzt werden, unter denen Türkisch, Arabisch und Albanisch sind. Bislang tragen die Spitäler selbst die Kosten. Es wird aber eine Lösung unter finanzieller Beteiligung der Kantone und des Bundes gesucht, um die Krankenhäuser zu entlasten.
Die Besonderheiten einer Übersetzung für einen Arzt bestehen nicht nur in der Kenntnis der Fachbegriffe, sondern auch darin, einfühlsam eine etwaige schwere Diagnose zu vermitteln. Dabei muss auch erklärt werden, dass manche Krankheiten, die in einer bestimmten Region als nicht behandelbar gelten, in der Schweiz durchaus heilbar sind. Dies gilt zum Beispiel für Tuberkulose. Zudem wird bewusst darauf verzichtet, Deutsch sprechende Angehörige um eine Übersetzung zu bitten, da die professionale Distanz gewahrt werden soll. Gerade im Fall von Kindern, die die Krankheit übersetzen müssten, könnten Missverständnisse entstehen: Kinder verstehen das Krankeitsbild oft nicht richtig, schämen sich, es ihren Eltern mitzuteilen oder scheuen sich, die Überbringer einer schlechten Diagnose zu sein. Davon entlastet eine dritte, neutrale Partei, in dem Fall der Übersetzer. Dabei ist auch eine enge Zusammenarbeit von Arzt und Dolmetscher wichtig, damit letzterer sich etwa darauf vorbereiten kann, dass Tränen fließen werden und dann entsprechend feinfühlig sprechen kann.