Kommunikation, Wissenstransfer und Kulturtransfer: Diese drei Begriffe können die Bedeutung der Übersetzungswissenschaft und deren Geschichte zusammenfassen. Übersetzungen sind erst seit der Existenz von Schrift denkbar und somit beginnt die Geschichte der Translatologie nach heutigem Wissenstand um 5300 v. Chr. Dort sind auf den die ältesten Schriftexemplare datiert. Wie anhand des berühmten Steins von Rosette von 196 v. Chr. zu ersehen ist, bezogen sich Übersetzungen bis in die Neuzeit hinein oft auf religiöse Schriften. Diesen Sachverhalt untermauert auch die Bedeutung der Septuaginta als ältester durchgehender Bibelübersetzung, die auf 247 v. Chr. datiert wird, und die epochale Tragweite der lateinischen Übersetzung der Bibel durch Sophronius Eusebius Hieronymus (347 bis 420 n. Chr.). Diese war unter der Bezeichnung „Vulgata“ wegweisend für die römisch-katholische Kirche. Hieronymus zählt heute zu den vier Kirchenvätern und ist der Schutzheilige der Übersetzer.
Im Rahmen des 830 n. Chr. in Bagdad begründeten „Hauses der Weisheit“ befasste sich der christlich-arabische Gelehrte Abū Zayd Hunain ibn Ishāq al-ʿIbādī, der auch unter dem lateinischen Namen Johannitius bekannt war, mit der Übertragung antiker Manuskripte der griechischen Wissenschaften. Er prägte dabei eine Übersetzungsmethode, die über das wörtliche Übersetzen hinausging und als konzeptionelles Übersetzen bekannt ist. Dank ihm und seinem Umfeld sind diese antiken Texte erhalten geblieben. Auch Martin Luther mit seiner bahnbrechenden Translation der Bibel ins Volksdeutsche verließ im 16. Jahrhundert das sture wörtliche Übersetzen und betonte in seinen Thesen, dass es beim Übersetzen darum geht, den Sinn eines Textes zu begreifen und ihn so zu übertragen, dass der Empfänger ihn vor dem eigenen kulturellen Hintergrund versteht. Er hatte somit die Methode des interpretierenden Übersetzens geschaffen. Kommunikation, Wissens- und Kulturtransfer waren auch große Themen vieler Romantiker, die sich darum bemühten, den Wechselbeziehungen nationaler Sprachen auf die Spur zu kommen und diese anderen zugänglich zu machen. Exemplarisch sind hierfür das „Wörterbuch der serbischen Sprache“ der Gebrüder Grimm oder die begonnene Shakespeare-Übersetzung von Friedrich Schlegel. Sie schufen das literarische Übersetzen.
Die Anwendung der Übersetzungskunst auch auf nicht-religiöse Themen brach sich im 20. Jahrhundert endgültig Bahn. Mit den immer enger werdenden internationalen Beziehungen und dem steigenden Bedarf an weltweitem Wissenstransfer umfassten Translationen schließlich alle Lebensbereiche. Somit entstand die selbständige Disziplin Übersetzungswissenschaft, die Translationen als professionelle Dienstleistungen begreift.