Einer BBC-Studie zufolge werden im Jahr 2026 schon 90 Prozent aller Nachrichtentexte von Computern verfasst sein. Bereits heute erstellen Maschinen Börsen- und Sportberichte in Form von Tabellen. Das bezeichnet man irreführend Roboterjournalismus. Andere Textformen wie Essays, Reportagen und Kommentare verlangen mehr Sprachgespür und nicht bloß ein System, das Textbausteine aneinanderreiht. Anfang des Jahres machte die amerikanische Open-AI-Stiftung, die sich mit Potenzialen und Gefahren künstlicher Intelligenz befasst, Schlagzeilen: Die Forscher entwickelten eine Sprach-KI namens GPT-2, die selbstständig journalistische und literarische Texte verfassen kann. Normalerweise gibt Open AI die eigenen Entwicklungen stets als Open Source frei. GPT-2 blieb jedoch unter Verschluss und lediglich eine stark reduzierte Version wurde bislang veröffentlicht. Die Macher bezeichnen die KI nämlich als „Deep Fake für Texte“, das in der Lage ist Artikel zu erstellen, die nicht mehr zweifelsfrei von den durch Menschen geschriebenen zu unterscheiden sind. Das könnte bei Missbrauch den Qualitätsjournalismus nachhaltig beinflussen. So könne die KI etwa zum Thema Brexit schreiben und dazu erfundene Zitate liefern. Sie könnte auch journalistische Kommentare mit plausiblen Argumentationsketten schreiben. Bei der Google-Ergänzungsfunktion, auch eine KI-Anwendung, handelt es sich um ein simples „Sprachmodell“, das in der Lage ist, Sätze auf Basis von Erfahrungswerten weiterzuführen. GPT-2 kann mehr. Journalisten fühlen sich bereits bedroht. Aber mit maschineller Hilfe könnte man zum Beispiel Argumentationslinien vorsortieren oder Meinungsführer zu gewissen Themen ausfindig machen. Das wäre eine Anwendung, die nicht auf der These von Mensch gegen Maschine basiert. Dies wäre zu polarisierend. Die Frage, die man sich eher stellen sollte: Mithilfe welcher Maschinen wird der Journalist in Zukunft seinen Job machen – und wie wird sich seine Arbeit dadurch verändern?