Stilreiche Autoren und Übersetzertricks

Daniel Kehlmanns neuer Roman „Tyll“ begeistert schon deutsche Leser und Rezensenten. Wie aber lässt sich ein komplexes Buch in andere Sprachen übertragen? Erfahrene Übersetzer müssen den abwechslungsreichen Text und Worte aus dem Mittelalter unter anderem ins Griechische übertragen. Dafür sorgt Konstantinos Kosmas, der eine Lösung für den Gebrauch von deutschen Worten aus dem späten Mittelalter, wie beispielsweise Henkersgericht, Gottesacker, Wams und Halsgerichtsordnung finden musste. Sogar deutschsprachigen Menschen sind nicht alle Begriffe auf Anhieb verständlich.

Der Übersetzer Kosmas ist am Centrum Modernes Griechenland der Freien Universität Berlin zuständig für die Edition Romiosini. Auch die anderen Romane von Kehlmann – „Die Vermessung der Welt“, „Ruhm“, „F“ und einige andere – hat er schon ins Griechische übertragen.

Kosmas bezeichent die Übersetzung Kehlmanns als eine sehr schöne Herausforderung. Er habe das Bild, dass man die Sprache, den Autor tanzen sieht auf einem Terrain, und da müsse man die schwierigen Figuren, die er tanzt, nachtanzen auf einem anderen Terrain. Das andere Terrain sei die Zielsprache. Die besondere Schwierigkeit sei zudem, dass Kehlmann in den meisten Kapiteln eine andere Stilrichtung hat. Sprachlich ist das eine dritte Erzählebene, die sich mit einer Art Volkssprache mit Gespenstern und Erzählungen oder mal einem Märchen oder einem barocken Theater abwechselt. Tatsächlich tauchen dann Wörter auf, die es im feudalen Zentraleuropa so gibt, aber in diesem besonderen Fall nicht in Griechenland.

Für Kosmas war die Übersetzung dieser Wörter ins Griechische solange eine neue Herausforderung, bis ihm eine Idee kam: Die Peloponnes war früher unter anderem französisch besetzt. Zwar 200 Jahre später als zur Buchzeit, aber die Wörter dürfte es dennoch geben. Deswegen schlug Kosmas Wörter wie „Voigt“ oder „Schultheiß“ zunächst im französischen Wörterbuch nach. Unter Zuhilfenahme seiner Fantasie, um herauszufinden, wie diese Wörter auf Griechisch klingen könnten, hat er sie dann in einem griechischen mittelalterlichen Wörterbuch gesucht. Belohnt wurde so viel Einfallsreichtum mit Erfolg, denn Kosmas fand die sehr griechisch und schön klingenden Wörter.

Übersetzen ist eben nicht nur eine stumpfe Tätigkeit, sondern verlangt auch Kreativität und lösungsorientiertes Denken. Am Ende werden wir mit Sicherheit mit einem hervorragenden Ergebnis der Übersetzung ins Griechische belohnt.