Übersetzen: So wortgetreu wie möglich

Ein Negativbeispiel davon, wie ein Übersetzer nicht arbeiten solle, lieferte der Persisch-Übersetzer Nima Tchitsas, als er für die Iraner am 19.9. die Rede des US-Präsidenten vor der UNO in New York übersetzen sollte, die sehr Iran-kritisch war. Dafür bekam er viel Kritik und Spott zu hören.

Trump hatte am Dienstag den Iran als „ausgebrannten Schurkenstaat, dessen Hauptexporte Gewalt, Blutvergießen und Chaos sind“ bezeichnet. Tschitsas machte daraus auf Persisch: „Der Iran spricht von der Zerstörung Israels.“

Ebenso sagte Trump: „Neben der riesigen militärischen Macht der Vereinigten Staaten (…) ist es das iranische Volk, was seine Führung am meisten fürchtet.“ In der Übersetzung hieß es: „Die US-Armee ist eine sehr starke Armee, und die iranische Nation ist eine sehr starke Nation“.

Ein weiteres Bespiel: „Dies bringt das Regime dazu, den Internetzugang einzuschränken, Satellitenschüsseln herunterzureißen, unbewaffnete protestierende Studenten zu erschießen und politische Reformer einzusperren“ wurde zu „Im Iran geschehen viele Ereignisse, die für uns inakzeptabel sind“.

Ein iranischer Reformpolitiker warf dem Übersetzer daraufhin im Internet vor, er habe die Rede „zensiert und verfälscht“. Genau dies ist nicht die Aufgabe eines Übersetzers, der vor allem in der Politik nur als Sprachrohr des Redenden fungieren soll. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna warnte ihrerseits, dass die verfälschte Übersetzung das Vertrauen in die iranischen Medien untergraben und die Zuschauer zu Exilsendern treiben könnte.