Übersetzer – unsichtbar hinter dem Werk

Ein Klassiker der Übersetzungswissenschaft: The Translator’s Invisibility vom italoamerikanischen Sprachforscher Lawrence Venuti wurde schon 1995 veröffentlicht und ist heute immer noch aktuell. In diesem Werk stellt er Übersetzer als die großen Unbekannten der Literaturgeschichte dar. Sie müssen unsichtbar bleiben, weil Lesenden die Illusion gefällt, eben keine Übersetzung zu lesen, sondern das Original. Das übersetzte Werk ist umso besser, je man merkt, dass übersetzt worden ist. Der Übersetzer sieht sich der Erwartung gegenüber, dass sie nach getaner Übersetzung von der Bühne abtreten müssen. Es ist eher die Ausnahme, dass Übersetzer berühmt werden. Bei den Donald Duck – Comics denken zum Beispiel nur Wenige an Dr. Erika Fuchs, die die Comics jahrzehntelang ins Deutsche übertrug und durch die die comictypischen Gefühlsäußerungen (wüt, tob, schluchz!) entstanden – sie werden sogar ihr zu Ehren heute manchmal  als Erikative bezeichnet. EIne andere hervorstechende Persönlichkeit, die nicht hinter dem Autor versteckt bleiben wollte, ist Harry Rowohlt. Der Lindenstraßen-Obdachlose hat es sogar geschafft, dass sein Name nun auf Buchtiteln pragt.

Dabei ist Übersetzerleitung beachtlich, denn Übersetzer haben nicht nur Vokabeln gelernt und wissen, wie man ein Wörterbuch benutzt. Übersetzer sind mehr als bloße Kopisten eines Textes von einer Sprache in die andere, sondern sie müssen den Ursprungstext als Ganzes neu erfinden. Dazu gehört zwar auf jeden Fall gute Sprachkenntnis, vor allem aber auch ein hohes Maß an eigenständiger Kreativität. Witze müssen auch in der Übersetzung noch lustig sein, Reime sich reimen, kulturspezifische Anspielungen Sinn ergeben und Metaphern Sinn ergeben. Auf diese Weise entsteht durch die Übersetzung ein ganz neuer Text, sozusagen ein Original für sich. Trotzdem werden übersetzte Texte oft nur als nachgemachte Literatur empfunden. Übersetzer bleiben hinter den Autor unbekannt.

Allerdings dürfen Übersetzer in ihrer eigenständigen Kreativität nicht zu weit gehen. Auch wenn das Urheberrechtsgesetz auch Übersetzungen als „persönliche geistige Schöpfungen“ achtet und schützt, hat der Autor des Originals bei rechtlichen oder moralischen Streitfragen immer noch das letzte Wort. und der Übersetzer soll die selben Wirkungen beim Leser hervorrufen, wie das Original. Man soll diese Menschen durchaus mehr würdigen und schätzen, denn sie machen möglich, dass sich Literatur in jeder Sprache verbreiten kann. Dennoch: Die Hauptarbeit, die Idee, die Umsetzung und das Herzblut für das Buch hatte zuerst immer der Autor.