Auf einem Blatt Papier am Ausgang des Ellis Island Immigration Museums steht ein Aufruf an Übersetzer: Sie sind dort für Deutsch, Russisch oder Jiddisch gesucht und sollen auf der kleinen Museumsinsel vor New York arbeiten. Im obersten Stock, dem Archiv, findet man den knapp 70-jährigen Archivar. Er führt interessierte Übersetzer zu einem weißen Schrank, das ein von ihm persönlich gesammeltes Archiv enthält. Es beinhaltet eine sehr umfangreiche Plattensammlung von fast tausend Schellackplatten, die der Archivar auf Flohmärkten und Internetauktionen nach und nach erwarb. Diese Platten enthalten etwas besonderes: Sie sind aufgenommen von Einwanderern für die nächsten Neuankömmlinge aud der Heimat und enthalten kurze Hörshows – wie eine uralte Form von Podcast.
Bis 1914 wanderten etwa sieben Millionen Deutsche in die USA aus. Viele von ihnen landeten zunächst in New York, wo das Heimweh so groß war, dass sich deutschsprachige Tageszeitungen, aber auch Schallplatten mit deutschen Geschichten gut verkauften. Auf einem alten Plattenspieler kann man bei Abspielen der Platten auch Liebeserklärungen hören, bei denen die Liebe als einziges Hindernis die Nichtbeherrschung der englischen Sprache hatten. Der Archivar möchte gern diese ganzen Aufnahmen mit Hilfe eines Übersetzers ins Englische übertragen und transkribieren. Nur leider kann man damit kein Geld verdienen und das Schicksal der Plattensammlung ist auch ungewiss, sollte der Archivar in Rente gehen, da diese alten Geschichten niemanden interessieren. Wäre es aber nicht großartig, einen Hauch von vergangenem Leben zu erhalten und zu erforschen? Der Archivar ist wegen der Sprachbarriere nur leider auf Hilfe angewiesen. Die Übersetzung der alten Platten könnte sicher ein wunderbaren, verlockendes Hobby für jemanden werden, der aus reiner Freundlichkeit seine Zeit auf Ellis Island verbringen möchte.