Übersetzer – anders gedacht

Natürlich wissen wir alle, dass es den Beruf des Übersetzers gibt. Aber man kann das Übersetzen an sich aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Einfach als Instrument zum vermitteln zwischen verschiedenen Bedürfnissen und Ansichten. Da fällt einem das Bild des Politikers als Übersetzer ein: Es muss zum Beispiel die Bedürfnisse seines Volkes in Gesetze „übersetzen“, aber auch so redigieren, dass eine Verhandlungsbasis entsteht und ein Gesetzestext daraus wird. Andersherum muss ein Politiker den Bürgern aber auch sein Tun in der Politik übersetzen, sich erklären und nachvollziehbar darstellen. Man könnte sagen, Politiker müssen sich der Aufgabe stellen, Übersetzer der Realitäten und Herausforderungen sein zu können. Übersetzer zwischen den verschiedenen Anliegen verschiedenster Interessengemeinschaften, zu denen auch die Parteifreunde gehören, zwischen denen oft genug ebenso eine Vermittlung notwendig ist. Dann sind Politiker manchmal auch Übersetzer zwischen fundamentalen Idealen und pragmatischen Konsensen. Das Übersetzen zwischen Menschen ist nicht immer leicht, denn dafür – um den Anderen verstehen zu können, was für eine gelungene Übersetzung elementar ist – muss man sich mit dessen Argumenten auseinandersetzen. Diese sind oft durch Befindlichkeiten und Emotionen gefärbt. Es kostet auch viel Mühe und Zeit, an allen Stellen der demokratischen Prozesse mühsam Brücken zu bauen, um dauerhafte Kompromisse im Interesse der Allgemeinheit zu erreichen.

Man kann Politikern nur nahelegen, sich ein wenig in der Rolle eines Übersetzers zu sehen. Dann könnten Debatten sachlicher und zielführender gelingen, anstatt nur auf den eigenen Profit ausgerichtet zu werden. Politik ist eben auch immer zumindest teilweise eine Bühne der Macht und der Machthungrigen.