Poesie übersetzen

Dass Poesie sich nicht wie ein Sachtext klassisch übersetzen lässt, sollte man schon vermuten. Ihre vielen lyrischen Formen und Facetten erschweren eine einfache Übertragung in eine fremde Sprache. Dazu fand in Polen auf Deutsch eine Veranstaltung statt, bei der sich nicht nur Autoren, sondern auch Übersetzer trafen, da es Fragen nach der Beziehung des Übersetzers zum kreativen Prozess gibt und wie sich Literaturwissenschaftler an diesem Prozess beteiligen können. Welche Grenzen bestehen also zwischen Künstler, Übersetzer und Theoretiker?

Ebenso tauchen durch die Veränderungen in der Medienlandschaft weitere Fragen und Herausforderungen auf. Dazu gehört unter anderem der Problemkreis, ob technische Übersetzungsprogramme wie online-Dienste zur Übersetzung lyrischer Texte geeignet sind oder inwieweit digitale Poesie und audiophone Poeme übersetzbar sind. Auch wurde nach dem Einfluss der sozialen Medien gefragt: Entwickelt sich eine kollektive Übersetzung anstatt eines singulären Bearbeitens?

Teilnehmer an den mehrtägigen Workshops waren unter anderem der bekannte tschechische Übersetzer Radek Malý, der bereits zweimal den Magnesia Litera gewonnen hat, den wichtigsten Literaturpreis des Landes. Vor Kurzem erst hat Malý seine Übertragungen der Gedichte von Georg Trakl, Jakob von Hoddis und weiteren Künstlern des Expressionismus herausgebracht. Elke Erb, die den Eduard-Möricke-Presi gewann, zählte auch zu den Teilnehmenden.