Archiv des Autors: Rose & Dmowska

BDÜ Hieronymuspreis 2017: Sprachexperten im Dienst des Friedens

Bereits am 29.9.2017 verlieh der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) im Rahmen der Festveranstaltung im Erfurter Augustinerkloster seinen Hieronymuspreis für vorbildliche Leistungen im Bereich der mehrsprachigen Kommunikation. Die Auszeichnung erhielt in diesem Jahr der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien.

Der BDÜ Landesverband Thüringen hatte zum Hieronymustag ein spannendes Programm rund um das Übersetzen und Dolmetschen organisiert. Der Preisverleihung folgte – passend zum Lutherjahr – ein hochinteressanter Vortrag des renommierten Bibelexperten Professor Dr. Christoph Kähler zu den Herausforderungen eines translatorischen Mammutprojekts, in dessen Rahmen 70 Bibelwissenschaftler mehr als fünf Jahre lang mit der Überarbeitung der berühmten Lutherbibel beschäftigt waren.

Aber nicht nur in Thüringen stehen am Hieronymustag Übersetzer und Dolmetscher im Rampenlicht. Anlässlich seines 70-jährigen Bestehens stellt der BDÜ Landesverband Hessen mit der Filmreihe „drunter und drüber“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum, der Weltlesebühne und dem Untertitelforum das Untertiteln und Synchronisieren in den Fokus. Auch in der Bundeshauptstadt geht es um Filmisches: Der BDÜ Landesverband Berlin-Brandenburg lädt am 4. Oktober zu einem Gesprächsabend rund um den Dokumentarfilm „Juri Elperin – Der Übersetzer“ mit dem Untertitel „Sprache ist Heimat“. Und in Mannheim wird heute um 16 Uhr der Bahnhofsvorplatz zur Bühne für einen sogenannten Freeze-Mob, der u. a. mithilfe des Hashtags #iconnectworlds in den Sozialen Medien mitverfolgt werden kann. Wie bei allen Aktionen und Veranstaltungen des BDÜ ist auch hier das Ziel, die Berufe bei einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Übersetzen: So wortgetreu wie möglich

Ein Negativbeispiel davon, wie ein Übersetzer nicht arbeiten solle, lieferte der Persisch-Übersetzer Nima Tchitsas, als er für die Iraner am 19.9. die Rede des US-Präsidenten vor der UNO in New York übersetzen sollte, die sehr Iran-kritisch war. Dafür bekam er viel Kritik und Spott zu hören.

Trump hatte am Dienstag den Iran als „ausgebrannten Schurkenstaat, dessen Hauptexporte Gewalt, Blutvergießen und Chaos sind“ bezeichnet. Tschitsas machte daraus auf Persisch: „Der Iran spricht von der Zerstörung Israels.“

Ebenso sagte Trump: „Neben der riesigen militärischen Macht der Vereinigten Staaten (…) ist es das iranische Volk, was seine Führung am meisten fürchtet.“ In der Übersetzung hieß es: „Die US-Armee ist eine sehr starke Armee, und die iranische Nation ist eine sehr starke Nation“.

Ein weiteres Bespiel: „Dies bringt das Regime dazu, den Internetzugang einzuschränken, Satellitenschüsseln herunterzureißen, unbewaffnete protestierende Studenten zu erschießen und politische Reformer einzusperren“ wurde zu „Im Iran geschehen viele Ereignisse, die für uns inakzeptabel sind“.

Ein iranischer Reformpolitiker warf dem Übersetzer daraufhin im Internet vor, er habe die Rede „zensiert und verfälscht“. Genau dies ist nicht die Aufgabe eines Übersetzers, der vor allem in der Politik nur als Sprachrohr des Redenden fungieren soll. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna warnte ihrerseits, dass die verfälschte Übersetzung das Vertrauen in die iranischen Medien untergraben und die Zuschauer zu Exilsendern treiben könnte.

Digitale Übersetzungshilfen

Jeder kennt die Übersetzer von Google oder Bing, manche vermuten sogar, die Tage eines klassichen Wörterbuchs oder der beruflichen Übersetzertätigkeit seien gezählt. Schnell sind diese digitalen Hilfen, aber dafür nicht immer richtig: oftmals zu ungenau oder sprachlich völlig inkorrekt erscheint eine Übersetzung dieser Dienste und ist für den Nutze unbrauchbar. Ein kleines Startup aus Köln, genannt DeepL, will hier ansetzen und beim Web-übersetzen Konkurrenz machen. Der von ihnen genutzte Computer auf Island hat, so die Firma, eine Leistung, mit der er eine Million Wörter in weniger als einer Sekunde übersetzen kann. Die Herangehensweise des Startups ist, ein Computernetzwerk ähnlich neuronalen Verknüpfungen zu nutzen. Dass dieses Programm dann präziser als die Konkurrenz übersetzen kann, liegt vor allem daran, dass die Software Wörter in Kontext verstehen kann, während andere Softwares eins zu eins übersetzen. So basierte die Technik der Onlinedienste von Google und Microsoft lange auf einer sogenannten statistischen Übersetzungsmethode. Hierbei analysiert ein Computerprogramm einen Korpus von zweisprachigen Texten und ordnet die Wörter einander aufgrund ihrer Häufigkeit und gegenseitigen Nähe zu. Bei Redewendungen oder Homonymen, also Wörtern, die für verschiedene Begriffe stehen, führt diese Grundlage schnell zu Übersetzungsfehlern. Zudem greift DeepL auf eine große Menge valider Vergleichsdaten zu, die den anderen Unternehmen eher fehlen. Sie beteiben zum Beispiel ebenso das online-Wörterbuch Linguee. Wie das Start-up auf seiner Seite schreibt, soll das künstliche neuronale Netz jede Art von Text übersetzen können – und dabei die Qualität aller bisherigen automatischen Übersetzer übertreffen. Das soll auch ein in Auftrag gegebener Blindtest bestätigen. Ob die Software jemals richtige Dolmetscher verdrängen wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Sie eignet sich bisher nur für den Hausgebrauch.

Der Tag der Übersetzer: 30. September

Um den internationalen Tag des Übersetzers 2017 zu feiern, lädt der Verein Weltlesebühne dazu ein, an weltweit rund 40 Veranstaltungen teilzunehmen. Am 30. September sollen sie helfen, die Arbeit von Literaturübersetzern sichtbar und anschaulich machen.

Der Tag ist zu Ehren des Bibelübersetzers und Schutzpatrons der Übersetzer Hieronymustag genannt. Zu diesem Anlass soll die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Bedeutung des Übersetzens gelenkt werden. Ebenso soll die Übersetzertätigkeit allgemein mehr Anerkennung erfahren.

32 Veranstaltungen unterschiedlicher Art wird es in Deutschland geben. Man kann Echtzeit- und Zeitraffer-Übersetzungen erleben. Daneben wird es Diskussionspanels, Übersetzungsworkshops und Translations-Slams geben, die Einblicke in die Arbeit des Übersetzers geben. Man wird zum Austausch eingeladen und erfährt Interessantes über diese Wortkunst. Ein anderes Veranstaltungsformat ist das des »Gläsernen Übersetzers«. Dort können Interessierte im Rahmen von ein- bis zweistündigen Präsentationen den Prozess des Übersetzens hautnah und live miterleben und mitgestalten: Literaturübersetzer arbeiten öffentlich an einer Übersetzung, machen ihre Überlegungen transparent und stellen ihre Entscheidungen zur Diskussion.

Über 40 Übersetzer treten in Aabenraa, Berlin, Flensburg, Frankfurt am Main, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Jena, Köln, Leipzig, Marburg und Zürich auf, mit dabei sind u. a. Bettina Bach, Isabel Bogdan, Claudia Hamm, Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel. Übersetzt wird Literatur aus dem Dänischen, Finnischen, Italienischen, Ukrainischen und zahlreichen anderen Sprachen. Darüber hinaus kommen in sieben Goethe-Instituten – in Alexandria, Amsterdam, Kairo, Kiew, Nanjing, Peking und Taschkent – »Gläserne Übersetzer« zum Einsatz.