Archiv der Kategorie: Aktuell

EU: Soziale Absicherung von Selbstständigen

BDÜ beteiligt sich an EU-Konsultation zur Stärkung der sozialen Rechte von Freiberuflern / Zugang zum Sozialschutz für alle Beschäftigungsformen soll auf EU-Ebene verbessert werden

Der Vorstand des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) hat in seiner Sitzung am vergangenen Samstag beschlossen, an der „Öffentlichen Konsultation zu einer möglichen Maßnahme der EU zur Bewältigung der Herausforderungen des Zugangs zum Sozialschutz für Menschen in allen Beschäftigungsformen im Rahmen der europäischen Säule sozialer Rechte“ teilzunehmen.

Vizepräsident Ralf Lemster dazu: „Die soziale Absicherung von Selbstständigen ist ein zentrales Anliegen in unserer politischen Verbandsarbeit. Hier gilt es, Ungleichbehandlungen abzubauen und unseren Mitgliedern eine soziale Absicherung zu fairen und erschwinglichen Konditionen zu ermöglichen. Mit der Teilnahme an der EU-Konsultation bringt sich der BDÜ auch auf europäischer Ebene in den Diskussionsprozess ein.“

Ein Großteil der rund 7500 BDÜ-Mitglieder arbeitet selbstständig und sieht sich damit speziellen Herausforderungen in den jeweiligen Sozialsystemen gegenüber. Insbesondere bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Altersvorsorge werden Soloselbstständige häufig durch übermäßig hohe Beiträge und im Vergleich mit Angestellten ungleiche Zugangsvoraussetzungen benachteiligt. Daher setzt sich der BDÜ – auch im Schulterschluss mit weiteren Selbstständigenverbänden – mit zahlreichen Initiativen und in Gesprächen mit Vertretern der Politik für eine gerechtere Behandlung dieser Berufsgruppen ein.

Start-up Travis: Übersetzer im Taschenformat

Könnten handliche Taschenübersetzer bald im Gespräch einen Dolmetscher ersetzen? Das niederländische Start-up Travis hat auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas einen praktischen neuen Universalübersetzer präsentiert, der trotz seiner handlichen Größe in den Maßen eines kleinen Smartphones dennoch 80 Sprachen in Echtzeit übersetzen kann. Die Technologie hinter dem in die Hosentasche passenden Gerät ist ein Zusammenspiel von Spracherkennung, Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Technologie. Eine von zwei Menschen geführte Unterhaltung auf verschiedenen Sprachen wird an eine spezielle Cloud-basierte KI-Software weitergeleitet, die des Gesprochene erkennt und nach einer Analyse sofort übersetzt. Dazu heißt es auf der Homepage des Herstellers Travis: „Travis ist der erste Sofort-Übersetzer im Taschenformat, der es seinem Benutzer ermöglicht, mit jedem überall und ganz ohne Mühe zu kommunizieren. Damit bricht dieses Taschengerät weltweite Sprachbarrieren“.

Das Gerät sei besser als jede bereits verfügbare andere Übersetzungsmethode. „Das Taschengerät übersetzt Gespräche sofort und haargenau, benötigt keine batteriefressenden Apps und beschränkt sich nicht auf wenige, vorgefertigte Floskeln. Travis integriert Spracherkennung und Übersetzungsplattformen aus verschiedenen Quellen und sorgt dadurch für eine optimale Gesamterfahrung“, verspricht der Entwickler.

„Wir haben das Gerät so entworfen, dass man es benutzen kann, ohne hinzuschauen. Dies ermöglicht ein echtes Gespräch, Diskussionen mit echtem Engagement, bei denen die Teilnehmer natürlich agieren, Augenkontakt halten und ihre Körpersprache einsetzen können“, betont Travis-Mitarbeiter Robb Selander im Zuge der CES-Präsentation.

Auch viele Unterstützer der Crwodfunding-Campagne auf der Plattform Indiegogo glauben an das praktische Gadget: Seit den Start im März 2017 hat die Finanzierungskampagne bis jetzt 1.766.944 Dollar (ca. 1,5 Millionen Euro) gesammelt und liegt damit deutlich über dem angestrebten Ziel der Entwickler. Zudem wurden bereits mehr als 80.000 Geräte zu einem Preis von 199 Dollar vorbestellt und viele bereits ausgeliefert. Hauptunterstützer sind Personen, die oft (beruflich) reisen oder internationale Fachleute sind. Aber auch Mitarbeiter des Open-Learning-Exchange-Programms bekommen dieses Gadget zur Hilfe, denn bei diesem Hilfsprogramm sollen sie bei der Arbeit mit syrischen Flüchtlingen in Bildungszentren in Europa und im Nahen Osten zu einer einfacheren Kommunikation beitragen.

Dennoch bleibt abzuwarten, wie dieses neuen kleine Gerät im weltweiten Praxistest beweist.

Jahrestag des Europäischen Übersetzer-Kollegiums

Genau vierzig Jahre ist es nun her, seit am 10.1.1978 das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen gegründet wurde. Dazu sagte der Nobelpreisträger Heinrich Böll: „Ich glaube, dass hier etwas ganz Großartiges geschehen ist, was wahrscheinlich bis heute fast einmalig ist“. Es ist das weltweit größte Arbeits- und Begegnungszentrum für literarische Übersetzer im niederrheinischen Ort Straelen. Böll übernahm neben Max Frisch und Samuel Beckett die Schirmherrschaft für das „Europäische Übersetzer-Kollegium“, dessen Gründung sich dieses Jahr zum vierzigsten Mal jährt.

Der Ostberliner Übersetzer Thomas Reschke schrieb kurz vor dem Fall der Mauer ins Gästebuch: „Begegnungen wie diese, die noch als sensationell empfunden wurde, möchten bald Selbstverständlichkeit werden. Mein Wunsch ist ein gutes halbes Jahr später in Erfüllung gegangen.“ Reschke war später Träger des ersten Straelener Übersetzerpreises. Im Laufe der Jahre wuchs die Straelener Bibliothek auf 125.000 Bände an. Übersetzer aus aller Welt finden hier Antworten auf knifflige Fragen und treffen sich zum Gedankenaustausch über kulturelle, sprachliche und politische Grenzen hinweg.

Übersetzer von Comics

Übersetzung ist immer eine Art Interpretation des Ausgangstextes. Das gilt auch für Comics, vor allem für an Sprache interesserte Menschen. Dabei gibt es bei der Übersetzung von Comics eigene Probleme: Noch bevor es um die Qualität der Übersetzung geht, muss sie zunächst einmal in die vorgegebene Sprechblase passen, ohne etwas wegzulassen oder mit der falschen Bedeutung zu versehen. Dennoch gibt es bei Comicübersetzungen eine größere Freiheit als bei zum Beispiel prosaischen Texten: Es muss mehr der Geist der Geschichte vermittelt werden, als eine wortgetreue Übertragung. Das ist vor allem bei Übersetzungen ins Deutsche aus dem Englischen vorteilhaft, da das Deutsche oft länger gerät als das englische Original und man mehr kürzen muss. Dabei gilt oft: Jede Übersetzung kann als Neudichtung angesehen werden. Vorbild ist auf dem Feld der Comicübersetzung Erika Fuchs, die langjährige Redakteurin der Micky Maus und geniale Übersetzerin. Sie kreierte wunderbare Wortspiele, witzige Wendungen und phantasiereiche Namen und baute zahlreiche Zitate, zum Beispiel aus Klassikern, in die Texte ein.

Sich in die Charaktere einzufühlen, ist dabei aber nicht immer erforderlich. Je nach Zeichner oder Texter hat eine Hauptfigur, wie beispielsweise Donald Duck oder Mickey Mouse, möglicherweise sehr unterschiedliche oder sogar gegenläufige, nicht miteinander zu vereinbarende Eigenschaften. Es gibt häufig keine übergreifenden Charaktereigenschaften, sondern diese wechseln oft. Wichtiger ist es, nachzuvollziehen, was der Autor an dieser Geschichte besonders hervorheben wollte und wie man diesen wichtigen Punkt am besten in die andere Sprache (und passend zur Sprechblase) überträgt. Die lautmalerischen Ausdrücke wie „Grrrh“ oder „knarz“ sind dabei nicht allzu entscheidend, helfen aber der Vorstellungskraft des Lesers. Hauptsächlich enthalten Comics Alltagssprache, manchmal ironisch oder besonders blumig formuliert. Es gibt nicht „die“ Comic-Sprache, sondern der gute Übersetzer setzt den Text so um, dass nicht von der Geschichte selbst abgelenkt wird. Comics sind in ihrer Bild- und Sprachästhetik eher dem Film ähnlich. Ebenso wie beim FIlm haben gute Texte natürlich Einfluss auf unsere Sprachkultur. Darüber hinaus können sie für Sprache sensibilisieren. Dabei ist es allerdings nicht so, dass sie leichter konsumierbarer wären und so den Einstieg in ein „richtiges“ Buch vereinfachten. Anspruchsvolle Comics muss man als eigene Kunstform auch lesen lernen, was die Übersetzung wiederum besonders macht. Und würde sich ein comicbegeisterter Übersetzer nicht einen Kindheitstraum erfüllen, indem er Comics mit neuen Augen betrachtet und durch seine Übersetzung dazu beitragen kann, dass immer mehr Menschen Spaß daran haben?