Archiv der Kategorie: Aktuell

Kurzinformation zur Ausbildung

Zunächst sollte jedem, der den Weg des professionellen Übersetzers beschreiten möchte, bewusst sein, dass diese Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Gleichzeitig fordern aber viele Arbeitgeber eine langjährige vorhergehende akademische Ausbildung. So muss der Übersetzer einer Bedienungsanleitung auch die technischen Voraussetzungen haben, um das Gerät, dem die Anleitung gilt, in seiner Anwendung zu verstehen. Bei literarischen Texten werden kulturelle Kenntnisse notwendig sein. Möglicherweise sind für das bessere Verständnis durch das Zielpublikum Anpassungen notwendig, die das reine Übersetzen überschreiten.  Die Grundlage einer Tätigkeit als Übersetzer bildet meist ein sprachwissenschaftliches Studium, etwa Anglistik für Englisch oder Romanistik für Französisch. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, sich mit besonderen Weiterbildungsangeboten noch weiter zu qualifizieren. Einige Möglichkeiten sind die Qualifikation als Fachübersetzer in der Medizin, im Recht oder in der freien Wirtschaft. Um rechtliche Dokumente wie Zeugnisse oder Urkunden zu übersetzen, ist allerdings die Beeidigung zwingend notwendig. Um diese zu erhalten, muss in Deutschland eine staatliche Prüfung bestanden werden. Bei professionellen Übersetzern muss zudem die Motivation gegeben sein, dass sie im Gegensatz zu online-Übersetzern die kulturelle Besonderheiten berücksichtigen, mit diversen Textsorten vertraut sein und umfassende Fachkenntnisse besitzen müssen, die über das rein Sprachliche hinausgehen. Zusätzlich führen sie selbstständig ergänzende Recherchen zum Thema des Textes durch und agieren als Ansprechpartner für Rückfragen und stehen ihren Kunden beratend zur Seite. Falls diese Bereitschaft besteht, steht einer motivierten Laufbahn als Übersetzer fast nichts im Weg.

Babel – Festival di letteratura e traduzione, 13.-16.9.2018

In Bellinzona findet das vom Tessiner Vanni Bianconi organisierte und ins Leben gerufene Literaturfestival zum 13. Mal statt. Autorinnen, Autoren aus unterschiedlichen Sprachräumen und italienische Übersetzer treffen im Teatro Sociale vor Publikum aufeinander. Oft begegnen sie sich persönlich das erste Mal. Der Übersetzer stellt dem Autor Fragen zum Werk. Immer wieder wird dabei deutlich, dass er vom Werk eine Innenansicht hat wie wohl keine andere Person. Die Debatten hätten eine andere Dynamik, als wenn Kritiker oder Leser Fragen stellen. Die Diskussionen ufern nicht aus, sondern bleiben eng an Thema, Sprache und Begrifflichkeiten, so Bianconi. Zum Babel-Programm gehören Workshops, Theater, Konzerte und Filme. Dieses Jahr steht thematisch BRasilien im Mittelpunkt. Dies zu organisieren, war eine Herausforderung, die oftmaliges Umstellen des Konzerts verlangte, da Leben und Gesellschaft und die Vielzahl der indigenen Sprachen neben dem Portugiesischen in der Literatur in ihrer Vielzehl besonders sind. Ziel des Veranstalters ist es nun, bei der Auswahl der Autoren bis in die Favelas vorzudringen, indigene Literatur zu präsentieren, emigrierte Schriftsteller zu finden. In den Originalsprachen gibt es schon erste Erfolge. Aber die Veröffentlichung von internationaler Literatur ist für Bianconi auch ein wichtiger Nebeneffekt des Festivals. Hauptsprache des Festivals bleibt allerdings Italienisch. Eine besondere Rubrik beim Festival ist zudem der Austausch von poetischen Werken zwischen drei Dichtern untereinander aus den Sprachen Französisch, Deutsch und Italienisch, die diese dann in ihre jeweilige Muttersprache übertragen. Am Ende werden die Ergebnisse vor Publikum präsentiert und online veröffentlicht.

Für Bianconi macht die Idee des Festivals aus, dass Übersetzung nicht einfach ein technischer Akt ist, sondern eine eigene Kunstform. Er vergleicht Überseten mit der Arbeit eines Violinisten: Der Komponist schreibe die Partitur, der Musiker interpretiere sie. Niemand würde dem Violinisten deswegen absprechen, ein Künstler zu sein. In der italienischen Literatur habe der Übersetzer oder die Übersetzerin noch vor zehn Jahren ein Schattendasein gelebt und sind teilweise in den Büchern namentlich gar nicht erwähnt worden. Eine weitere schöne Interpretation der Aufgabe eines Literaturübersetzers gibt Bianconi gleich mit dazu: Übersetzung sei sprachliche Gastfreundschaft und ein Modell für alle Formen der Hospitalität. Sie schlage eine Brücke zwischen den Kulturen. Ein Übersetzer werde seiner Aufgabe nur gerecht, wenn er das jeweils andere Land kenne und die Kultur verinnerlicht habe.

Ein Festival mit solch einer Botschaft kann nur interessant werden.

Brexit-Übersetzung fehlerhaft

Die britische Regierung hat ihr «Weißbuch» mit den neuesten Vorschlägen für die Scheidungsverhandlungen mit der Europäischen Union veröffentlicht. Dazu dachte man sich in Großbritannien, dass man dieses, oder zumindest die Zusammenfassung des rund 100-seitigen Papiers, nicht nur auf Englisch, sondern auch in allen übrigen 23 Amtssprachen der EU anbieten wollte. Da man auf das Entgegenkommen der übrigen EU-Staaten bei den Brexit-Verhandlungen angewiesen ist, sollte es wohl eine gute Geste darstellen. Allerdings war der Wille eher da als eine tatsächlich hochwertige Übersetzung. Die über wiegenden Texte weisen viele Übersetzungsfehler auf; allein der deutsche Text ist mit „Deutsche“ statt „Deutsch“ betitelt. Als französische Übersetzung von «a principled Brexit» las man «Brexit vertueux». Beim Brexit-Ministerium versprach man Korrekturen und betonte gleichzeitig, die kleinen Unebenheiten seien für die Substanz des Textes keineswegs entscheidend. Dem würde allerdings jeder Qualifizierte Übersetzer widersprechen. Zudem zeugt es von Gleichgültigkeit und mangelndem Respekt den Mitgliedstaaten gegenüber, den Text nicht ordentlich redigieren zu lassen- zum Beispiel von Muttersprachlern. Da hilft es auch nicht zu wissen, dass es in Großbritannien generell mit Fremdsprachenkenntnissen nicht zum Besten steht. Denn laut Angaben des Außenministeriums beherrschen nur 60 Prozent des Personals in britischen Botschaften die jeweilige lokale Sprache «ausreichend».

Übersetzer-App für Katzen

Passend zum heutigen Weltkatzentag gibt es Neuigkeiten aus der Online-Welt bezüglich der Kommunikation Mensch-Katze, die nicht immer mit gegenseitigem Verstehen endet. Es gibt einen sogenannten Mensch-Katze-Übersetzer, den man bequem als App auf sein Handy holen kann. Diese App funktioniert, indem sie die menschliche Sprache analysiert und in Katzenlaute übersetzt – so gut es nun gehen mag. Damit es mit der Aussprache der Katzenlaute klappt, bietet die App mehrere Katzenstimmen. Daneben gibt es acht Katzenrufe und über 25 Beispiellaute. Ob die App wirklich funktioniert oder völlig unverständliches Zeug für den Gesprächspartner Katze von sich gibt, wird wohl eher schleierhaft bleiben, denn Katzen sind bekanntlich unabhängige Tiere und lassen sich keine Befehle erteilen. Im Endeffekt ist es leichter für bei Seiten, sich als eher intelligenter Mensch der Kommunikationsart anzupassen, die das eigene Tier am besten versteht. Und bei Tieren ist es nun mal Körpersprache.