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Streik der Übersetzer bei der EU

Die Übersetzer in EU-Parlament haben genug: “Ein bis zwei Stunden pro Tag” wollen sie ihre Tätigkeit unterbrechen. Ihr Ziel ist es, bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen, denn die Parlamentsverwaltung hatte vor Kurzem längere Arbeitszeiten durchgesetzt. Bisher mussten die Übersetzer sieben Stunden am Tag arbeiten. Dies wurde nun auf acht hochgestuft, wogegen sie sich wehren wollen. Beispielsweise arbeiteten Übersetzer im Vergleich dazu bei den Vereinten Nationen sogar nur sechs Stunden maximal.

Die Folgen sind unmittelbar spürbar: Beim Besuch einer Delegation aus Bulgarien versucht Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, sich auf Englisch und Französisch verständlich zu machen, bevor er verärgert abbricht mit den Worten: „Das hier sei alles nicht normal.“ Mit ihrem Streik dürften die Übersetzer den Arbeitsplan des Parlaments in dieser Woche ordentlich durcheinanderbringen .

Neues aus der digitalen Welt

Neuigkeiten vom IT-Riesen Google: Deren Übersetzer bekommt eine überarbeitete künstliche Intelligenz, die jetzt auch offline ganze Sätze übersetzen können soll.

Vor ungefähr zwei Jahren stellte Google erstmals seine Künstliche Intelligenz (KI) Neural-Machine-Translation (NMT) vor, die die Übersetzungen authentischer machen soll. Dies war allerdings bislang nur online möglich. Nunmehr hat Google in einem Blogbeitrag veröffentlicht, dass die künstliche Intelligenz bald auch offline verfügbar sein soll. Die Technologie der besagten Google-Übersetzer-App wird dann direkt auf dem Android- oder iOS-Endgerät ausgeführt. Die akkurate Übersetzung soll in dem Fall auch ohne Internetverbindung ausgegeben werden können.

Was der Unterschied zur App Google-Übersetzer ist, lässt sich einfach beschreiben: Das NMT-Update der App übersetzt ganze Sätze auf einmal, so wie es bereits online der Fall ist. Die KI bezieht einen breiten Kontext mit ein und stellt die Wörter um, sodass der Satz einen Sinn ergibt. Dadurch lassen sich natürlich Absätze und Artikel einfacher und angenehmer lesen. Im Gegensatz dazu hat die App Google-Übersetzer zwar bereits Offline-Funktionen, allerdings übersetzt sie ganze Sätze Wort für Wort und achtet nicht auf den inhaltlichen Sinn des Satzes. Man könnte die Funktion als die eines heruntergeladenen Wörterbuches beschreiben. Mit der KI ist zudem jede Sprachgruppe nur zwischen 35 und 45 MB groß, nimmt also beim Herunterladen wenig lokalen Speicherplatz ein.

Übersetzer klagt gegen Bamf

Nicht nur Politiker haben mit der sogenannten „Bamf-Affäre“ zu kämpfen, auch nur peripher Beteiligte haben dadurch Problee: Es wird auch ein Dolmetscher im Zusamenhang mit den unrechtmäßigen Asylbescheiden beschuldigt. Dieser wehrt sich mittlerweile vor Gericht dagegen, dass das Bundesflüchtlingsamt ihm keine Aufträge mehr erteilt. Der Anwalt des Übersetzers sagte beim Termin am Amtsgericht Bremen, sein Mandant habe nichts Unrechtes getan, und wisse zudem nicht, was ihm vorgeworfen werde. Zudem kritisierte der Anwalt, sein Mandant habe keine Möglichkeit zu einer Stellungnahme bekommen und er habe wegen haltloser Verdächtigungen seine Arbeit verloren. Am Antsgericht wurde bei einem Gütetermin über eine Kündigungsschutzklage des Dolmetschers verhandelt. Richtiger Klagegegner ist dabei natürlich die Bundesrepublik Deutschland, da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) eine Bundesbehörde ist. Der Termin Anfang Juni war allerdings erfolglos, da keine gütliche Einigung zwischen beiden Seiten zustande kam.

Als Freiberufler war der selbstständige Dolmetscher von Juni 2016 bis April 2018 für das Bamf auf für die Übersetzung von des Arabisch und Kurdisch angestellt. Gegen ihn ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft. Nach deren Meinung steht er im Verdacht, im Rahmen von Asylverfahren Antragsteller dazu bewegt zu haben, falsche Angaben zu machen. Nach dieser Annahme erhielt der Dolmetscher keine Aufträge durch das Bamf mehr.

Übersetzer – anders gedacht

Natürlich wissen wir alle, dass es den Beruf des Übersetzers gibt. Aber man kann das Übersetzen an sich aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Einfach als Instrument zum vermitteln zwischen verschiedenen Bedürfnissen und Ansichten. Da fällt einem das Bild des Politikers als Übersetzer ein: Es muss zum Beispiel die Bedürfnisse seines Volkes in Gesetze „übersetzen“, aber auch so redigieren, dass eine Verhandlungsbasis entsteht und ein Gesetzestext daraus wird. Andersherum muss ein Politiker den Bürgern aber auch sein Tun in der Politik übersetzen, sich erklären und nachvollziehbar darstellen. Man könnte sagen, Politiker müssen sich der Aufgabe stellen, Übersetzer der Realitäten und Herausforderungen sein zu können. Übersetzer zwischen den verschiedenen Anliegen verschiedenster Interessengemeinschaften, zu denen auch die Parteifreunde gehören, zwischen denen oft genug ebenso eine Vermittlung notwendig ist. Dann sind Politiker manchmal auch Übersetzer zwischen fundamentalen Idealen und pragmatischen Konsensen. Das Übersetzen zwischen Menschen ist nicht immer leicht, denn dafür – um den Anderen verstehen zu können, was für eine gelungene Übersetzung elementar ist – muss man sich mit dessen Argumenten auseinandersetzen. Diese sind oft durch Befindlichkeiten und Emotionen gefärbt. Es kostet auch viel Mühe und Zeit, an allen Stellen der demokratischen Prozesse mühsam Brücken zu bauen, um dauerhafte Kompromisse im Interesse der Allgemeinheit zu erreichen.

Man kann Politikern nur nahelegen, sich ein wenig in der Rolle eines Übersetzers zu sehen. Dann könnten Debatten sachlicher und zielführender gelingen, anstatt nur auf den eigenen Profit ausgerichtet zu werden. Politik ist eben auch immer zumindest teilweise eine Bühne der Macht und der Machthungrigen.