Archiv der Kategorie: Aktuell

Google und die flache Erde

Eine kleine Kuriosität, die sehr erheiternd ist, gibt es bei dem Google – Übersetzer: . Sie hängt mit der Theorie zusammen, die besagt, die Erde sei eine Scheibe. Wie fielen nur deswegen nicht über den Rand, weil dieser von Eisbergen gesäumt wird. Menschen, die dese Absurdität glauben, werden flat-earther genannt und stellen jede wissenschaftliche Erkenntnis darüber, dass die Erde rund ist, in Abrede, sei es nun die von Nikolaus Kopernikus oder Galileo Galilei. Die zweifelhaften Belege für die unhaltbare Theorie der flat-earther sind zum Beispiel der Blick aus dem FLugzeug, bei dem die Erde flach erscheint. Außerdem hätte sich die Menschheit verschworen, die wahre Form zu vertuschen.

Diesen Leuten gibt der Google – Übersetzer, beziehungsweise die dahinter steckenden Köpfe aus Silicon Valley, einen ganz klaren Hinweis, was sie von ihnen halten: Wenn man in die Übersetzungsmaske „I´m a flat-earther“ eingibt, kommt bei einer Übersetzung ins Französische „Je suis fou“ heraus: „Ich bin verrückt“. Lässt man den Satz auf Deutsch übersetzen, entsteht „Ich bin ein Flacher“. Das sagt dann wohl alles.

Übersetzer – unsichtbar hinter dem Werk

Ein Klassiker der Übersetzungswissenschaft: The Translator’s Invisibility vom italoamerikanischen Sprachforscher Lawrence Venuti wurde schon 1995 veröffentlicht und ist heute immer noch aktuell. In diesem Werk stellt er Übersetzer als die großen Unbekannten der Literaturgeschichte dar. Sie müssen unsichtbar bleiben, weil Lesenden die Illusion gefällt, eben keine Übersetzung zu lesen, sondern das Original. Das übersetzte Werk ist umso besser, je man merkt, dass übersetzt worden ist. Der Übersetzer sieht sich der Erwartung gegenüber, dass sie nach getaner Übersetzung von der Bühne abtreten müssen. Es ist eher die Ausnahme, dass Übersetzer berühmt werden. Bei den Donald Duck – Comics denken zum Beispiel nur Wenige an Dr. Erika Fuchs, die die Comics jahrzehntelang ins Deutsche übertrug und durch die die comictypischen Gefühlsäußerungen (wüt, tob, schluchz!) entstanden – sie werden sogar ihr zu Ehren heute manchmal  als Erikative bezeichnet. EIne andere hervorstechende Persönlichkeit, die nicht hinter dem Autor versteckt bleiben wollte, ist Harry Rowohlt. Der Lindenstraßen-Obdachlose hat es sogar geschafft, dass sein Name nun auf Buchtiteln pragt.

Dabei ist Übersetzerleitung beachtlich, denn Übersetzer haben nicht nur Vokabeln gelernt und wissen, wie man ein Wörterbuch benutzt. Übersetzer sind mehr als bloße Kopisten eines Textes von einer Sprache in die andere, sondern sie müssen den Ursprungstext als Ganzes neu erfinden. Dazu gehört zwar auf jeden Fall gute Sprachkenntnis, vor allem aber auch ein hohes Maß an eigenständiger Kreativität. Witze müssen auch in der Übersetzung noch lustig sein, Reime sich reimen, kulturspezifische Anspielungen Sinn ergeben und Metaphern Sinn ergeben. Auf diese Weise entsteht durch die Übersetzung ein ganz neuer Text, sozusagen ein Original für sich. Trotzdem werden übersetzte Texte oft nur als nachgemachte Literatur empfunden. Übersetzer bleiben hinter den Autor unbekannt.

Allerdings dürfen Übersetzer in ihrer eigenständigen Kreativität nicht zu weit gehen. Auch wenn das Urheberrechtsgesetz auch Übersetzungen als „persönliche geistige Schöpfungen“ achtet und schützt, hat der Autor des Originals bei rechtlichen oder moralischen Streitfragen immer noch das letzte Wort. und der Übersetzer soll die selben Wirkungen beim Leser hervorrufen, wie das Original. Man soll diese Menschen durchaus mehr würdigen und schätzen, denn sie machen möglich, dass sich Literatur in jeder Sprache verbreiten kann. Dennoch: Die Hauptarbeit, die Idee, die Umsetzung und das Herzblut für das Buch hatte zuerst immer der Autor.

Übersetzer auf Ellis Island

Auf einem Blatt Papier am Ausgang des Ellis Island Immigration Museums steht ein Aufruf an Übersetzer: Sie sind dort für Deutsch, Russisch oder Jiddisch gesucht und sollen auf der kleinen Museumsinsel vor New York arbeiten. Im obersten Stock, dem Archiv, findet man den knapp 70-jährigen Archivar. Er führt interessierte Übersetzer zu einem weißen Schrank, das ein von ihm persönlich gesammeltes Archiv enthält. Es beinhaltet eine sehr umfangreiche Plattensammlung von fast tausend Schellackplatten, die der Archivar auf Flohmärkten und Internetauktionen nach und nach erwarb. Diese Platten enthalten etwas besonderes: Sie sind aufgenommen von Einwanderern für die nächsten Neuankömmlinge aud der Heimat und enthalten kurze Hörshows – wie eine uralte Form von Podcast.

Bis 1914 wanderten etwa sieben Millionen Deutsche in die USA aus. Viele von ihnen landeten zunächst in New York, wo das Heimweh so groß war, dass sich deutschsprachige Tageszeitungen, aber auch Schallplatten mit deutschen Geschichten gut verkauften. Auf einem alten Plattenspieler kann man bei Abspielen der Platten auch Liebeserklärungen hören, bei denen die Liebe als einziges Hindernis die Nichtbeherrschung der englischen Sprache hatten. Der Archivar möchte gern diese ganzen Aufnahmen mit Hilfe eines Übersetzers ins Englische übertragen und transkribieren. Nur leider kann man damit kein Geld verdienen und das Schicksal der Plattensammlung ist auch ungewiss, sollte der Archivar in Rente gehen, da diese alten Geschichten niemanden interessieren. Wäre es aber nicht großartig, einen Hauch von vergangenem Leben zu erhalten und zu erforschen? Der Archivar ist wegen der Sprachbarriere nur leider auf Hilfe angewiesen. Die Übersetzung der alten Platten könnte sicher ein wunderbaren, verlockendes Hobby für jemanden werden, der aus reiner Freundlichkeit seine Zeit auf Ellis Island verbringen möchte.

 

Inklusion durch leichte Sprache

DIe Leichte Sprache soll Menschen mit Behinderung helfen, sich besser in das alltägliche Leben zu integrieren und darin zurechtzukommen. Merkmale der Leichten Sprache sind, dass sie aus einfachen, kurzen Sätzen besteht, die möglichst nur aus Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen. Ebenso soll auf passive Verbformen und Synonyme verzichtet werden und der Konjunktiv wird nicht eingesetzt. Wenn zum Beispiel Behördentexte in so verständlicher Form verfasst würden, könnten (geistig) Behinderte von Anfang an an allen Lebensbereichen teilnehmen und die Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention bis auf kommunale Ebene könnte durchgesetzt werden. Ebenso hilft das älteren oder nicht-deutschsprachigen Menschen, die erst Grundkenntnisse des Deutschen erworben haben. Allerdings braucht man auch für diesen eher unbekannten Zweig Übersetzer. Ein Beispielprojekt, das allerdings zwei Jahre ein Anspruch nahm, hat die Stadt Germering vorzuweisen: Auf der Internetseite eines Mehrgenerationenhauses kann praktisch jeder Text per Klick in Leichter Sprache gelesen werden.