Archiv des Autors: Rose & Dmowska

Papst Franziskus und das Vater Unser

Offensichtlich gibt es nicht nur in der Übersetzung weltlicher prosaischer Texte manchmal Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. Auch in kirchlichen Texten herrscht oft Uneinigkeit. Auf die Spitze dürfte das Papst Franziskus nun getrieben haben, da er die letzte Zeile des Vater Unser „führe uns nicht in Versuchung“ für keine gute Übersetzung in die deutsche Sprache halte, wie er dem italienischen Fernsehsender TV2000 gegenüber sagte. Denn es führe nicht Gott, sondern Satan die Menschen in Versuchung. Damit stellte er Luthers ursprüngliche Fassung in Frage. Die französischen Bischöfe hätten sogar schon angewiesen, die Stelle in „lass uns nicht in Versuchung geraten“ zu ändern. Hier ist allerdings eine Unterscheidung zwischen der Sprache des Gebets und der der Liturgie zu treffen, die philologisch so korrekt ist. Ob das in vorliegenden Fall nützt, sei dahingestellt. An solchen theologischen Haarspaltereien sollen die sich die Köpfe zu diesem Thema einschlagen, denen es Spaß macht und die einen Sinn darin sehen.

Keine maschinell übersetzten Internetseiten

Wenn man eine Website hat, ist es natürlich von Vorteil, wenn möglichst viele Menschen auf ihren Inhalt zugreifen können. Das funktioniert dann, wenn man sie zusätzlich in einer anderen Sprache bereitstellt. Google allerdings riet davon ab, einen maschinellen Übersetzer zu benutzen. Es sollte genau null Prozent einer Website aus maschinell übersetzten Texten bestehen. Zwar sind online-Übersetzerdienste in den letzten Jahren um ein Vielfaches besser geworden, haben aber lange nicht das Niveau von professionellen Übersetzungen durch Menschen erreicht. Zwar kann man die Dienste der maschinellen Übersetzer unterstützend heranziehen, aber für eine Einbindung in die Website reicht es nicht. Bestimmte Bedeutungen oder Formulierungen kann ein automatischer Übersetzer nicht in ihrem Sinngehalt erfassen. Es können Inhalte entstehen, die so nicht in die Website eingebunden werden können. Am besten ist also die Beauftragung eines professionellen Übersetzers. Zwar ist das teurer als die Nutzung eines simplen online-Dienstes, aber man kann sich auf die Richtigkeit und Sinnhaftigkeit der Übersetzung verlassen.

Poesie übersetzen

Dass Poesie sich nicht wie ein Sachtext klassisch übersetzen lässt, sollte man schon vermuten. Ihre vielen lyrischen Formen und Facetten erschweren eine einfache Übertragung in eine fremde Sprache. Dazu fand in Polen auf Deutsch eine Veranstaltung statt, bei der sich nicht nur Autoren, sondern auch Übersetzer trafen, da es Fragen nach der Beziehung des Übersetzers zum kreativen Prozess gibt und wie sich Literaturwissenschaftler an diesem Prozess beteiligen können. Welche Grenzen bestehen also zwischen Künstler, Übersetzer und Theoretiker?

Ebenso tauchen durch die Veränderungen in der Medienlandschaft weitere Fragen und Herausforderungen auf. Dazu gehört unter anderem der Problemkreis, ob technische Übersetzungsprogramme wie online-Dienste zur Übersetzung lyrischer Texte geeignet sind oder inwieweit digitale Poesie und audiophone Poeme übersetzbar sind. Auch wurde nach dem Einfluss der sozialen Medien gefragt: Entwickelt sich eine kollektive Übersetzung anstatt eines singulären Bearbeitens?

Teilnehmer an den mehrtägigen Workshops waren unter anderem der bekannte tschechische Übersetzer Radek Malý, der bereits zweimal den Magnesia Litera gewonnen hat, den wichtigsten Literaturpreis des Landes. Vor Kurzem erst hat Malý seine Übertragungen der Gedichte von Georg Trakl, Jakob von Hoddis und weiteren Künstlern des Expressionismus herausgebracht. Elke Erb, die den Eduard-Möricke-Presi gewann, zählte auch zu den Teilnehmenden.

 

Ehrenamtliche Übersetzer für Flüchtlinge

Was sich im Kreis Aschaffenburg mittlerweile gut etabliert hat, kann im gesamten Bundesgebiert deutlich stärker gefördert werden: Ehrenamtliche Übersetzer, hauptsächlich für Flüchtlinge. Das Projekt „Sprachvermittler“ des Aschaffenburger Landratsamts war ein großer Erfolg. Seit seinem Start im Juni 2016 soll es Ämtern und Behörden die Kommunikation mit ausländischen Mitbürgern ermöglichen, indem die Ämter auf ehrenamtliche Übersetzer zurückgreifen können, wenn ein Termin mit kaum oder nicht Deutsch sprechenden Mitbürgern ansteht. Insgesamt sind mittlerweile 75 Übersetzer ehrenamtlich beschäftigt, die bei 31 Sprachen weiterhelfen können, wie zum Beispiel Japanisch, Albanisch und Ungarisch. Auch die Nachfrage stieg mit dem Angebot an Übersetzern rapide: Waren es im Jahr 2016 noch 43 Einsätze, so stieg die Zahl diesjahr auf 444. Auch in der Gruppe der Mediziner sind solche Übersetzer sehr gefragt, wobei in allen Bereichen die Sprachen Arabisch und Persisch vorne liegen. Außerdem werden durchaus noch Sprachvermittler weiterhin gesucht.

EIne wichtige Aufgabe der Beteiligten wird aber auch sein, den nicht Deutsch sprechenden Menschen nicht das Gefühl zu geben, sie müssten jetzt doch kein Deutsch mehr lernen. Denn die Priorität liegt immer noch darauf, dass sich anderssprachige Mitbürger irgendwann selbstständig mitteilen können. Zudem sind die ehrenamtlichen Übersetzer nicht in jedem Lebensbereich einsetzbar. Dennoch sind sie ein wichtiges Glied in der Integrationskette und erleichtern den Start in den Behördenalltag für alle.